23. Freundschaftskampf in Brandenburg am 9. September 2007von Frank Hoppe
Ursprünglich hatten sich 11 Spieler für den traditionellen Vergleich mit Lok Brandenburg gemeldet. Joachim Klemp, Spitzenspieler unserer 1. Mannschaft, meldete sich aber am Tag zuvor bei Werner Windmüller ab. So war dann letztendlich mit Henry Reiche nur ein Spieler aus der Ersten in Brandenburg dabei. Der Berichterstatter selbst gehörte zwar vergangene Saison der Ersten an, spielt aber 2008/09 für Doppelbauer Woltersdorf.
Mario Janik ist seit Jahrzehnten dem Verein sehr verbunden und spielte lange für Berolina. Nach der Wende machte er sich rar und wandte sich dem Betriebsschach bei der SG WiHeil zu. Dorthin zog es viele Spieler von Berolina, denen die Mitgliedschaft in nur einem Verein nicht genug war. Dazu trugen wohl auch die alljährlichen Freundschaftskämpfe beider Vereine bei. Diese Tradition wurde vor einigen Jahren begraben, weil WiHeil kaum noch eine Mannschaft zusammenbekam. Mario spielt inzwischen auch wieder richtiges Vereinsschach - bei Doppelbauer Woltersdorf. Das ist der Verein, zu dem er den Berichterstatter lockte - worüber sich Werner Windmüller in der Einladung an Mario "bitterlich" beschwerte.
Mit dem Regionalexpress ging es ab Alexanderplatz nach Brandenburg. Bis Potsdam sorgte eine junge Volleyballtruppe aus Zepernick für reichlich Unruhe im Wagen. Als die Kinder samt ihrer Betreuer ausstiegen, verteilten sich die Schachspieler auf die freiwerdenden Plätze und suchten in diversen Druckerzeugnissen Entspannung. Die Reise in die Havelstadt dauerte etwa eine Stunde. Mit der Straßenbahn ging es noch ein paar Stationen durch die Stadt, bis wir in der Magdeburger Straße an der Fachhochschule ausstiegen. Mario - er war mit dem Auto angereist - hatte sich auf dem Gelände im Gebüsch versteckt und versuchte vergeblich, uns zu überraschen. Von den Brandenburgern erwartete uns Maik Rettig. Er wies uns den Weg in die 4. oder 5. Etage in einem der Gebäude. Oben angekommen, fehlte mir erstmal die Puste und ich bat Mario, mich bei den beiden nächsten Wettkämpfen mit Woltersdorf in Brandenburg hochzutragen. Wahrscheinlich kommt er drumrum - nach Ende des Wettkampfes sah ich den Fahrstuhl. Den werde ich wohl beim nächsten Mal nutzen ...
Auch wenn der Aufstieg beschwerlich war, so entschädigten doch die Spielbedingungen für alles. Im durch das Deckenfenster lichtdurchfluteten Raum war künstliches Licht unnötig. Selbst der Blitz meiner Digitalkamera sprang nur ganz selten an. Für jedes Brett stand ausreichend Platz zur Verfügung. Auch zwischen den beiden Tischreihen konnte man ungestört flanieren. Bei der Aufstellung unserer Mannschaft gab es Diskussionen um Brett 1 und 5. Ich wollte an 1 dem Duell mit Günter Walter aus dem Wege gehen. Schließlich habe ich ihn sowieso noch zweimal als Gegner (jeweils in Brandenburg) - am 29.9. im Pokalspiel Lok gegen Woltersdorf und am 25.11. im Landesklasse-Punktspiel von Doppelbauer Woltersdorf. Scottie wollte zudem Weiß, da bot sich der Wechsel an.
In der Partie mit dem Superstar der Brandenburger verblüffte mich Scottie mit einem Bauernopfer in der Eröffnung. Mir erschien das Opfer wie ein Verzweiflungszug und ich konnte beim Kiebitzen keine Kompensation für ihn entdecken. Entweder hat er mir da was voraus oder er hat sich schlicht verrechnet. Zu diesem Zeitpunkt war an den meisten Brettern noch nicht viel passiert. Nur Dirk Tausch war schon fast im Endspiel. Ihm war es auch vorbehalten das 1:0 für uns zu schießen.
Nachdem Boriss Itkins dem favorisierten Ex-Berliner Prof. Egmar Rödel einen halben Punkt abgenommen hatte, verbastelte Thomas Weigelt seine in der Eröffnung herausgespielte Gewinnstellung zum Verlust:
Thomas verschmähte sowohl den b-Bauern wie auch einen Zug später den "neuen" h-Bauern.
Schwarz droht Sxe4 und Weiß sollte am besten Sd2 nebst f3 und vielleicht Kf2 spielen. Doch Thomas sah eine Kombination, die allerdings ein fürchterliches Loch hatte: 17. Txh6? Sxe4 18. Lxe4?? und Thomas gab nach 18. ... Lxf3 19. Th8 Kf8 20. Th4 Te8 21. De3 Dxe4 mit einer Figur weniger auf. 1½:1½ Nach 1996 und 2000 spielte ich zum dritten Mal gegen Norbert Schulz - und immer bei den Vergleichen mit Brandenburg. Zum ersten Mal aber standen wir uns in Brandenburg gegenüber. In Berlin schlug er mich 2:0, auf seinem Terrain konnte ich ihn jetzt besiegen:
Kurz vor dem Ende des Wettkampfes führten wir 4½:3½ und standen dicht vor dem zweiten Auswärtssieg nach 1995. Die Partie Müller - Weigelt lief noch und Reinhard Weigelt hatte trotz gefährdeter Königsstellung gute Chancen, die Partie Remis zu halten, wenn nicht gar zu gewinnen.
Reinhard hatte mit seinem zweiten Turm die eigene Grundreihe verlassen und diesen gegen einen weißen Turm auf d1 abgetauscht. Nun steht seine Dame im Abseits und muß tatenlos zuschauen, wie der Druck auf den Kb8 wächst. Wenige Züge später hat sich die Stellung kaum verändert:
Die Partie konnte ich leider (noch) nicht rekonstruieren. Mir liegt das stark fehlerbehaftete Formular von Reinhard nur als unscharfes Foto vor. 1 FM Günter Walter 2191 1:0 Andreas Reiche 1918 2 Norbert Schulz 2051 0:1 Frank Hoppe 2046 3 Herbert Gohlke 2001 1:0 Henry Reiche 1923 4 Olga Vaideslaver 1919 0:1 Mario Janik 1818 5 Maik Rettig 1904 1:0 Thomas Weigelt 1753 6 Klaus Müller 1935 1:0 Reinhard Weigelt 1839 7 Prof. Egmar Rödel 1907 ½:½ Boriss Itkins 1755 8 Dirk Richter 1493 0:1 Werner Windmüller 1698 9 Manzke 0:1 Dirk Tausch 1208 Auf der Rückfahrt statteten wir im Bahnhof Alexanderplatz Wolfgang Vandré noch einen Besuch in seinem Zeitungsladen ab. Werner Windmüller bekam so zum ersten Mal Wolfgang auf seiner Arbeitsstelle zu Gesicht.
Heim Aus Gesamt
Datum Ergebnis S R N S R N S R N MP BP
03.11.1985 A 0,5:7,5 - - - - - 1 - - 1 0: 2 0,5: 7,5
21.09.1986 H 6,0:5,0 1 - - - - 1 1 - 1 2: 2 6,5: 12,5
20.09.1987 A 2,0:8,0 1 - - - - 2 1 - 2 2: 4 8,5: 20,5
25.09.1988 H 6,0:6,0 1 1 - - - 2 1 1 2 3: 5 14,5: 26,5
24.09.1989 A 3,5:8,5 1 1 - - - 3 1 1 3 3: 7 18,0: 35,0
16.09.1990 H 6,0:4,0 2 1 - - - 3 2 1 3 5: 7 24,0: 39,0
29.09.1991 A 3,0:9,0 2 1 - - - 4 2 1 4 5: 9 27,0: 48,0
27.09.1992 H 3,5:7,5 2 1 1 - - 4 2 1 5 5:11 30,5: 55,5
26.09.1993 A 4,5:5,5 2 1 1 - - 5 2 1 6 5:13 35,0: 61,0
11.09.1994 H 5,0:3,0 3 1 1 - - 5 3 1 6 7:13 40,0: 64,0
17.09.1995 A 6,5:4,5 3 1 1 1 - 5 4 1 6 9:13 46,5: 68,5
15.09.1996 H 3,5:6,5 3 1 2 1 - 5 4 1 7 9:15 50,0: 75,0
14.09.1997 A 2,5:5,5 3 1 2 1 - 6 4 1 8 9:17 52,5: 80,5
13.09.1998 H 6,5:1,5 4 1 2 1 - 6 5 1 8 11:17 59,0: 82,0
05.09.1999 A 4,0:7,0 4 1 2 1 - 7 5 1 9 11:19 63,0: 89,0
03.09.2000 H 6,0:5,0 5 1 2 1 - 7 6 1 9 13:19 69,0: 94,0
16.09.2001 A 3,5:9,5 5 1 2 1 - 8 6 1 10 13:21 72,5:103,5
06.10.2002 H 6,0:5,0 6 1 2 1 - 8 7 1 10 15:21 78,5:108,5
07.09.2003 A 5,0:5,0 6 1 2 1 1 8 7 2 10 16:22 83,5:113,5
12.09.2004 H 10,0:4,0 7 1 2 1 1 8 8 2 10 18:22 93,5:117,5
04.09.2005 A 5,0:6,0 7 1 2 1 1 9 8 2 11 18:24 98,5:123,5
01.10.2006 H 3,0:5,0 7 1 3 1 1 9 8 2 12 18:26 101,5:128,5
09.09.2007 A 4,5:4,5 7 1 3 1 2 9 8 3 12 19:27 106,0:133,0
Die beiden Vereine haben bemerkenswerte Heimbilanzen!
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Frank Hoppe,