Berichte » 2007 Brandenburg
05.02.2012 - 15:27 Uhr

23. Freundschaftskampf in Brandenburg am 9. September 2007

von Frank Hoppe

Frank Hoppe
Wimpel von Lok Brandenburg

Ursprünglich hatten sich 11 Spieler für den traditionellen Vergleich mit Lok Brandenburg gemeldet. Joachim Klemp, Spitzenspieler unserer 1. Mannschaft, meldete sich aber am Tag zuvor bei Werner Windmüller ab. So war dann letztendlich mit Henry Reiche nur ein Spieler aus der Ersten in Brandenburg dabei. Der Berichterstatter selbst gehörte zwar vergangene Saison der Ersten an, spielt aber 2008/09 für Doppelbauer Woltersdorf.
Am Sonntagmorgen fehlte dann auch noch Wolfgang Apel. Er war nicht am vereinbarten Treffpunkt um 8:30 Uhr auf dem Regionalbahnsteig Alexanderplatz erschienen. Vielleicht war das auch ein Vorteil für uns, denn Wolfgangs vorauszusehendes schnelles Spiel hätte vielleicht zu einer Niederlage geführt und den Gesamterfolg gefährdet. Er ist halt nicht mehr der Alte, der zu DDR-Zeiten und kurz nach der Wende seinen Gegnern das Fürchten lehrte. Seitdem hat er 300-400 Wertungspunkte eingebüßt und hält sich mühevoll bei etwa 1600.

Frank Hoppe
Dirk Tausch, Werner Windmüller, Mario Janik

Frank Hoppe
Einladung von Werner Windmüller an Mario Janik: "Trotz Deines Vergehens (Abwerbung von Frank Hoppe) laden wir Dich herzlich ..."

Mario Janik ist seit Jahrzehnten dem Verein sehr verbunden und spielte lange für Berolina. Nach der Wende machte er sich rar und wandte sich dem Betriebsschach bei der SG WiHeil zu. Dorthin zog es viele Spieler von Berolina, denen die Mitgliedschaft in nur einem Verein nicht genug war. Dazu trugen wohl auch die alljährlichen Freundschaftskämpfe beider Vereine bei. Diese Tradition wurde vor einigen Jahren begraben, weil WiHeil kaum noch eine Mannschaft zusammenbekam.

Mario spielt inzwischen auch wieder richtiges Vereinsschach - bei Doppelbauer Woltersdorf. Das ist der Verein, zu dem er den Berichterstatter lockte - worüber sich Werner Windmüller in der Einladung an Mario "bitterlich" beschwerte.
Der mittlerweile mit dem TaxiTeam "liierten" SG WiHeil blieb Mario übrigens treu. Er ist dort neuerdings zweiter Vorsitzender.


Frank Hoppe
Die Volleyball-Kinder aus Zepernick sind in Potsdam ausgestiegen. Berolina macht es sich gemütlich.

Frank Hoppe
Henry Reiche bildet sich weiter

Mit dem Regionalexpress ging es ab Alexanderplatz nach Brandenburg. Bis Potsdam sorgte eine junge Volleyballtruppe aus Zepernick für reichlich Unruhe im Wagen. Als die Kinder samt ihrer Betreuer ausstiegen, verteilten sich die Schachspieler auf die freiwerdenden Plätze und suchten in diversen Druckerzeugnissen Entspannung.

Die Reise in die Havelstadt dauerte etwa eine Stunde. Mit der Straßenbahn ging es noch ein paar Stationen durch die Stadt, bis wir in der Magdeburger Straße an der Fachhochschule ausstiegen. Mario - er war mit dem Auto angereist - hatte sich auf dem Gelände im Gebüsch versteckt und versuchte vergeblich, uns zu überraschen. Von den Brandenburgern erwartete uns Maik Rettig. Er wies uns den Weg in die 4. oder 5. Etage in einem der Gebäude. Oben angekommen, fehlte mir erstmal die Puste und ich bat Mario, mich bei den beiden nächsten Wettkämpfen mit Woltersdorf in Brandenburg hochzutragen. Wahrscheinlich kommt er drumrum - nach Ende des Wettkampfes sah ich den Fahrstuhl. Den werde ich wohl beim nächsten Mal nutzen ...

Frank Hoppe
Erst wollte Mario wieder gegen Maik Rettig spielen, dann entschied er sich für Olga Vaideslaver

Auch wenn der Aufstieg beschwerlich war, so entschädigten doch die Spielbedingungen für alles. Im durch das Deckenfenster lichtdurchfluteten Raum war künstliches Licht unnötig. Selbst der Blitz meiner Digitalkamera sprang nur ganz selten an. Für jedes Brett stand ausreichend Platz zur Verfügung. Auch zwischen den beiden Tischreihen konnte man ungestört flanieren.
Die Brandenburger hatten an jedem Brett Wasserflaschen plaziert. Daneben stand ein kostenloser Imbiß zur Verfügung.

Bei der Aufstellung unserer Mannschaft gab es Diskussionen um Brett 1 und 5. Ich wollte an 1 dem Duell mit Günter Walter aus dem Wege gehen. Schließlich habe ich ihn sowieso noch zweimal als Gegner (jeweils in Brandenburg) - am 29.9. im Pokalspiel Lok gegen Woltersdorf und am 25.11. im Landesklasse-Punktspiel von Doppelbauer Woltersdorf. Scottie wollte zudem Weiß, da bot sich der Wechsel an.
Mario, der uns mit seinen Geschichten zum Duell Rettig gegen Janik das ganze Jahr über auf Trab hält, wollte auch diesmal gegen Maik Rettig spielen. Das er Weiß hatte mißfiel ihm aber. Seine Bilanz als Anziehender scheint gegen Rettig wohl nicht die beste zu sein. Mario verfrachtete Thomas Weigelt kurzerhand ans 5. Brett und spielte an Brett 4 Olga Vaideslaver an die Wand.

Frank Hoppe
FM Günter Walter

Brett 1: Andreas Reiche - FM Günter Walter. Gleich stellt Scottie mit 7. d2-d4 einen Bauern ein.

In der Partie mit dem Superstar der Brandenburger verblüffte mich Scottie mit einem Bauernopfer in der Eröffnung. Mir erschien das Opfer wie ein Verzweiflungszug und ich konnte beim Kiebitzen keine Kompensation für ihn entdecken. Entweder hat er mir da was voraus oder er hat sich schlicht verrechnet.
In Gedanken hakte ich seine Partie nach 7. d2-d4 zugunsten von Walter ab.

Zu diesem Zeitpunkt war an den meisten Brettern noch nicht viel passiert. Nur Dirk Tausch war schon fast im Endspiel. Ihm war es auch vorbehalten das 1:0 für uns zu schießen.


Frank Hoppe
Herbert Gohlke, Olga Vaideslaver und der Datenschutzbeauftragte des DSB, Maik Rettig

Nachdem Boriss Itkins dem favorisierten Ex-Berliner Prof. Egmar Rödel einen halben Punkt abgenommen hatte, verbastelte Thomas Weigelt seine in der Eröffnung herausgespielte Gewinnstellung zum Verlust:

Brett 5: Thomas Weigelt - Maik Rettig. Schwarz hatte sich im fünften Zug "verzogen" und muß seine Stellung verhunzen (zuletzt 10. ... b7-b5), um wenigstens nur mit einem Bauern im Nachteil zu bleiben.

Thomas verschmähte sowohl den b-Bauern wie auch einen Zug später den "neuen" h-Bauern.

Nach 16. ... Lg4

Schwarz droht Sxe4 und Weiß sollte am besten Sd2 nebst f3 und vielleicht Kf2 spielen. Doch Thomas sah eine Kombination, die allerdings ein fürchterliches Loch hatte: 17. Txh6? Sxe4 18. Lxe4?? und Thomas gab nach 18. ... Lxf3 19. Th8 Kf8 20. Th4 Te8 21. De3 Dxe4 mit einer Figur weniger auf.

1½:1½

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Norbert Schulz

Nach 1996 und 2000 spielte ich zum dritten Mal gegen Norbert Schulz - und immer bei den Vergleichen mit Brandenburg. Zum ersten Mal aber standen wir uns in Brandenburg gegenüber. In Berlin schlug er mich 2:0, auf seinem Terrain konnte ich ihn jetzt besiegen:

Brett 2: Norbert Schulz - Frank Hoppe. Ich mußte einen Bauern opfern, behielt aber dafür das Läuferpaar und eine akzeptable Stellung. Mit 30. b2-b3?? läutete Schulz die Wende zu meinen Gunsten ein und gab nach dem 39. Zug auf.

Kurz vor dem Ende des Wettkampfes führten wir 4½:3½ und standen dicht vor dem zweiten Auswärtssieg nach 1995. Die Partie Müller - Weigelt lief noch und Reinhard Weigelt hatte trotz gefährdeter Königsstellung gute Chancen, die Partie Remis zu halten, wenn nicht gar zu gewinnen.

Brett 6: Klaus Müller - Reinhard Weigelt

Reinhard hatte mit seinem zweiten Turm die eigene Grundreihe verlassen und diesen gegen einen weißen Turm auf d1 abgetauscht. Nun steht seine Dame im Abseits und muß tatenlos zuschauen, wie der Druck auf den Kb8 wächst. Wenige Züge später hat sich die Stellung kaum verändert:

Es folgte noch 1. ... Sc8 2. Th8 f4 3. Tf8 Dxg6 4. Sxc6+ und Schwarz gab auf

Die Partie konnte ich leider (noch) nicht rekonstruieren. Mir liegt das stark fehlerbehaftete Formular von Reinhard nur als unscharfes Foto vor.

1 FM Günter Walter  2191 1:0 Andreas Reiche    1918
2 Norbert Schulz    2051 0:1 Frank Hoppe       2046
3 Herbert Gohlke    2001 1:0 Henry Reiche      1923
4 Olga Vaideslaver  1919 0:1 Mario Janik       1818
5 Maik Rettig       1904 1:0 Thomas Weigelt    1753
6 Klaus Müller      1935 1:0 Reinhard Weigelt  1839
7 Prof. Egmar Rödel 1907 ½:½ Boriss Itkins     1755
8 Dirk Richter      1493 0:1 Werner Windmüller 1698
9 Manzke                 0:1 Dirk Tausch       1208

Auf der Rückfahrt statteten wir im Bahnhof Alexanderplatz Wolfgang Vandré noch einen Besuch in seinem Zeitungsladen ab. Werner Windmüller bekam so zum ersten Mal Wolfgang auf seiner Arbeitsstelle zu Gesicht.

  Unsere Bilanz gegen Lok Brandenburg

Frank Hoppe
Reinhard Weigelt steht jetzt schon auf Verlust gegen Klaus Müller

                          Heim   Aus    Gesamt
Datum          Ergebnis   S R N  S R N  S R N  MP     BP
03.11.1985  A  0,5:7,5    - - -  - - 1  - - 1   0: 2   0,5:  7,5
21.09.1986  H  6,0:5,0    1 - -  - - 1  1 - 1   2: 2   6,5: 12,5
20.09.1987  A  2,0:8,0    1 - -  - - 2  1 - 2   2: 4   8,5: 20,5
25.09.1988  H  6,0:6,0    1 1 -  - - 2  1 1 2   3: 5  14,5: 26,5
24.09.1989  A  3,5:8,5    1 1 -  - - 3  1 1 3   3: 7  18,0: 35,0
16.09.1990  H  6,0:4,0    2 1 -  - - 3  2 1 3   5: 7  24,0: 39,0
29.09.1991  A  3,0:9,0    2 1 -  - - 4  2 1 4   5: 9  27,0: 48,0
27.09.1992  H  3,5:7,5    2 1 1  - - 4  2 1 5   5:11  30,5: 55,5
26.09.1993  A  4,5:5,5    2 1 1  - - 5  2 1 6   5:13  35,0: 61,0
11.09.1994  H  5,0:3,0    3 1 1  - - 5  3 1 6   7:13  40,0: 64,0
17.09.1995  A  6,5:4,5    3 1 1  1 - 5  4 1 6   9:13  46,5: 68,5
15.09.1996  H  3,5:6,5    3 1 2  1 - 5  4 1 7   9:15  50,0: 75,0
14.09.1997  A  2,5:5,5    3 1 2  1 - 6  4 1 8   9:17  52,5: 80,5
13.09.1998  H  6,5:1,5    4 1 2  1 - 6  5 1 8  11:17  59,0: 82,0
05.09.1999  A  4,0:7,0    4 1 2  1 - 7  5 1 9  11:19  63,0: 89,0
03.09.2000  H  6,0:5,0    5 1 2  1 - 7  6 1 9  13:19  69,0: 94,0
16.09.2001  A  3,5:9,5    5 1 2  1 - 8  6 1 10 13:21  72,5:103,5
06.10.2002  H  6,0:5,0    6 1 2  1 - 8  7 1 10 15:21  78,5:108,5
07.09.2003  A  5,0:5,0    6 1 2  1 1 8  7 2 10 16:22  83,5:113,5
12.09.2004  H 10,0:4,0    7 1 2  1 1 8  8 2 10 18:22  93,5:117,5
04.09.2005  A  5,0:6,0    7 1 2  1 1 9  8 2 11 18:24  98,5:123,5
01.10.2006  H  3,0:5,0    7 1 3  1 1 9  8 2 12 18:26 101,5:128,5
09.09.2007  A  4,5:4,5    7 1 3  1 2 9  8 3 12 19:27 106,0:133,0

Die beiden Vereine haben bemerkenswerte Heimbilanzen!

  Weitere Fotos

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Thomas Weigelt, Mario Janik, Henry und Andreas Reiche

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Reinhard Weigelt (beim Rochade-Studium), Boriss Itkins, Werner Windmüller und Dirk Tausch. Vorn eine freie Partie zweier Brandenburger.

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Werner Windmüller versucht Französisch gegen Dirk Richter

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Boriss Itkins

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Reinhard Weigelt überzog am Ende und Brandenburg konnte noch ausgleichen

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Herbert Gohlke und Olga Vaideslaver

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Analyse der Partie von Henry Reiche


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Die noch laufende(!) Partie von Reinhard Weigelt wird im Nebenraum analysiert

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FM Günter Walter

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Mario Janik berührt noch einmal den Pokal, der nun doch an der Havel bleibt

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Thomas Weigelt, Boriss Itkins

5 Partien nachspielen

Autoreninfo

Frank Hoppe,
Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des SV Berolina Mitte ins Leben gerufen. Er ist außerdem Elo-Referent der FV Schach und Webmaster des Deutschen Schachbundes und des Berliner Schachverbandes.

Email: info@svberolinamitte.de

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