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05.02.2012 - 15:19 Uhr

Berliner Einzelmeisterschaft 2010 - Meisterklasse

von Martin Gebigke

Vielleicht hat der eine oder andere Besucher der Berolina-Homepage das kürzlich zu Ende gegangene Turnier der M-Klasse verfolgt, an dem mit Thilo Keskowski und mir zwei Spieler unseres Schachklubs teilnahmen. Mit Hilfe von Frank Hoppe, der die grafische Umsetzung realisiert, möchte ich in loser Folge gern einige interessante und lehrreiche bis vergnügliche Momente aus den Partien präsentieren.

Das Turnier begann für Thilo mit einem Hammer: Er wurde sofort gegen das ELO-Schwergewicht Sergey Kalinitschew gepaart. Immerhin hatte er den Vorteil der weißen Steine. Er nutzte diese und konnte bis ins Endspiel die Kontrolle behalten. Nach einer Unachtsamkeit des Großmeisters gewann Thilo sogar einen Bauern, was ihm einen nicht unerheblichen Vorteil einbrachte. In der Aufregung entgingen Thilo aber einige bessere Chancen, so daß er in einem ausgeglichenen gleichfarbigen Läuferendspiel landete. Dies wurde schließlich so interessant, daß hier drei Momente gezeigt werden sollen:

Keskowski,Thilo 2164-Kalinitschew,Sergey 2475 nach 51...Kxe4

Thilo setzte hier mit 52.h4 fort, was er nach der Partie verfluchte. Mit 52.Kf1 und der Idee, seine Durchlaucht auf d2 zu plazieren und so das Remis zu sichern, hätte er die Partie wohl kaum verlieren können. Interessanterweise aber ist der Textzug kein Fehler. Dieser folgte erst einen Zug später:

Keskowski,Thilo 2164-Kalinitschew,Sergey 2475 nach 52...d3

Thilo setzte nun mit 53.Kf1(?) auf den Remisplan aus dem vorangegangenen Zug, doch dafür war es schon zu spät. Der schwarze König kommt nach c3 und der schwarze d-Bauer kostet den weißen Läufer, was ein gewonnenes Endspiel für Schwarz ergibt. Mit 53.Kg3! (statt 53.Kf1?) wäre das Gleichgewicht zumindest gewahrt geblieben. Es gab sogar eine wunderschöne Chance, die Partie noch zu gewinnen, wenn Kalinitschew analog zur Partie fortgesetzt hätte. Nach 53.Kg3! Kd4 54.Kf4 (greift den f5-Läufer an) Lh7 55.h5 erscheint die Fortsetzung 55...Kc3(?) sehr naheliegend.

Analysediagramm

Mit dem spektakulären Läuferopfer 56.Lxd3!! erzwingt Weiß eine Bauernumwandlung. Egal wie Schwarz auf d3 zurückschlägt: es folgt 57.Ke5 und Weiß erhält eine neue Dame!

Meine Partie gegen Heinrich Burger war nicht weniger ereignisreich. Nach ruhiger Eröffnung hatten sich beide Seiten sinnvoll aufgebaut und sich keine nennenswerten Fehler zuschulden kommen lassen. Kurz vor der Zeitkontrolle brach sich die der Stellung innewohnende Energie jedoch Bahn. In der Folge erhielt ich Vorteil in Form eines hübschen Bauernpaares auf der sechsten Reihe.

Gebigke,M-Burger,H nach 43.d6

Nach 43...Lxe6 44.Txe6! Txe6 gewinnt 45.d6-d7 einen Turm. Ich entschied mich für das vermeintlich ebenso klare 45.Dd5

Gebigke,M-Burger,H Stellung nach 45.Dd5

Burger wartete nun mit dem verblüffenden Schlag 45...Tbxd6!? auf. Sterbende dürfen alles, dachte ich. Nach kurzer Prüfung nahm ich seine Dame. 46.Dxc5. Hatte er etwas auf 46...Td1 47.Lf1 übersehen? So kam es also, und nach 47...Txf1 48.Kg2 Td1 49.Dxa7 Tee1 ergab sich folgende Position:

Droht was? g1 ist von der Dame geschützt, mein a-Bauer ist bald durch, also worauf hofft er? Der Leser darf sich an dieser Stelle gern fragen: Was hätte ich an dieser Stelle gespielt? Ich konnte jedenfalls nichts entdecken und spielte den natürlichsten Zug der Welt 50.Dc5(?). Nach seiner völlig unerwarteten Antwort 50...Th1! war mir dann nicht mehr so schön. Hatte ich die Partie verdorben? Nach längerem Nachdenken gab ich mit 51.Dd5+ die Dame zurück. Das für mich dank des mächtigen Freibauern auf der a-Linie immer noch gewonnene Endspiel behandelte ich nach dem erlittenen Schock nicht zum Besten, so daß an einer späteren Stelle sogar ein schwarzer Sieg möglich war. Letztlich ging die Partie dann aber remis aus.

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