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05.02.2012 - 14:44 Uhr

BMM 2009/10 - 1. Mannschaft, 2. Runde am 01.11.2009

Frank Hoppe
Das clubeigene Automobil bzw. das des Pächters. Man achte auf das polizeiliche Kennzeichen des 1945 gegründeten Vereins.  

BSC Rehberge 1945                5,5 : 2,5 SV Berolina Mitte
101 IM Panagiotis Cladouras 2319   1 : 0   101 Martin Gebigke    2174
102 FM Gerhard Lüders       2196   1 : 0   102 Wolfgang Vandré   2089
103 Herbert Kauschmann      2113   ½ : ½   103 Thomas Hämmerlein 2103
104 Michael Sielaff         2081   0 : 1   104 Thilo Keskowski   2071
105 Dusan Jeremic           2062   1 : 0   105 Yosip Shapiro     1997
106 Peter Stippekohl        2030   1 : 0   106 Stefan Hölz       1997
107 Helmut Schöffler        1945   0 : 1   108 Frank Hoppe       1969
108 Burkhard Bornschein     1911   1 : 0   210 Joachim Klemp     2031
Alle Partien - + einige der 2. Mannschaft

Frank Hoppe
Schmuckes Kleinod im Wedding. Das Clubheim des BSC Rehberge.  

von Frank Hoppe

Mit dem BSC Rehberge hatten wir in der zweiten Stadtligarunde am 1. November 2009 einen weiteren dicken Brocken. Den ersten hatten wir drei Wochen zuvor mit 5:3 besiegt: Rotation Pankow 3.
Rehberge ist keine typische Stadtligamannschaft. Bei den Weddingern sieht man nach vielen Jahren Oberliga und Landesliga die Stadtliga als Ausrutscher an. Sie hatten das Pech in der letzten Saison unnötige Brettpunkte abgegeben zu haben und nur Siebter zu werden. Platz 7 bedeutete nämlich in dieser für Berlin ernüchternden Saison, der Abstieg aus der Landesliga. Trotz des Abstiegs ist die Truppe fast komplett zusammengeblieben. Nur Henryk Bukowski zog es weg. Für ihn sprang Burkhard Bornschein in die Bresche. Der kam von Schwarz-Weiß Neukölln, einem Verein dessen Zukunft am seidenen Faden hängt. Eine Spielgemeinschaft mit Schwarz-Weiß Lichtenrade kittete erst einmal die zahlreich entstandenen Löcher.

Gegenüber der ersten Runde wurde bei uns ein Spieler auf persönlichen Wunsch ausgetauscht. Dietmar Poppner, der gegen Pankow als Einziger verlor, war mit seiner damaligen Leistung bereits während der Partie nicht zufrieden und gab uns für den Rest der Saison einen Korb. Er steht nur noch für die Vereinsmeisterschaft und die Feierabendliga zur Verfügung.
Obwohl an Ersatzspielern kein Mangel besteht, hoffen wir mal das Dietmar's Erholungspause trotzdem nicht die ganze Saison dauert.

Für ihn kam Joachim Klemp ins Boot, der vor Saisonbeginn überraschend seinen Rückzug vom aktiven Schach bekanntgab und nur noch als Reservespieler zur Verfügung steht. Und jetzt mußten wir ihn gleich in Runde 2 an's Brett bitten. Mit Sicherheit nicht sein letzter Einsatz.

Frank Hoppe
Die beiden Dachbalken hinten (links am Rand und in der Mitte) fordern später ihre Opfer.  

Die Marschroute für den Wettkampf im Rehberger Clubheim in der Afrikanischen Straße war klar. An den ersten sechs Brettern dagegenhalten und hinten zwei Punkte.
Vor Jahren in der Landesliga hatten wir bisher das einzige Mal das Vergnügen mit Rehberge. Wir unterlagen 2:6 und besonders der Autor wird dieses Duell ewig in Erinnerung behalten. Ich spielte eine Grottensaison (½ aus 5 oder 6 bis dahin) und mit Schwarz gegen FM Gerhard Lüders antreten. Nach etwa 10-15 Zügen stand ich mit zwei Mehrbauern praktisch auf Gewinn, bekam ein Remisangebot und überlegte danach eine Ewigkeit, ob ich es annehmen sollte. Zuviel gute Stellungen hatte ich bis dahin weggeworfen. Ein Remis würde mich vielleicht wieder etwas aufbauen.
Ich lehnte schließlich ab und brachte das Kunststück fertig, mit drei verbundenen Mehrbauern und einer Fritz-Bewertung von fast plus 7, zu verlieren. Mein Gegner tröstete mich anschließend. Für mich war die Saison trotzdem gelaufen. Meine Bilanz las sich erschreckend: ½0000000½.

Im Gegensatz zu einem Wettkampf in den 1990er Jahren spielten wir diesmal auf dem schmuck eingerichteten Dachboden des Clubheims. In einer Ecke stand ein großer Fernseher und die Wände zierten Regale mit zahlreichen Pokalen aus drei und mehr Jahrzehnten. Allerdings haben die nicht die Schachspieler gesammelt, sondern die Fußballer. Schade!
Als problematisch sah ich neben der Balken des Satteldaches die Sitzordnung an. Wir saßen innen und nur mit wenig Abstand zueinander. So schlimm wie letzte Saison in Treptow war es aber nicht, wo hinter mir keiner mehr durchkam.
Das die Rehberger außen saßen hatte nicht nur eine psychologische Bedeutung (Gegner "erdrücken"). Spätestens als der erste Rehberger unliebsamen Kopfkontakt mit einem der Dachbalken hatte, nannte Peter Stippekohl den zweiten Grund: Man wollte den Gästen nicht zu häufig Kopfschmerzen physischer Art bereiten. Dann doch lieber die eigenen Leute opfern. Wie nobel!

Frank Hoppe
Die ersten vier Bretter. Thilo Keskowski wartet noch auf seinen Gegner, ebenso wie Martin Gebigke.  

Frank Hoppe
Das noch spärlich besetzte Unterhaus.  

Nichts vom Entgegenkommen der Gastgeber hatte unser Neuzugang Yosip Shapiro. Gleich drei Mal testete er sein Denkzentrum auf Erschütterungsempfindlichkeit. Beim ersten Mal war der Zusammenstoß so groß, das sich seine Brille von den natürlich gewachsenen Aufhängern am Kopf trennte und zu Boden ging. Beim dritten Mal ahnte ich den Aufprall voraus, brachte aber kein Wort der Warnung über die Lippen und schon rummste es wieder.
Vielleicht waren die "Denkanstöße" nur eine Folge der zu sorglosen Partieführung gegen Dusan Jeremic. Bereits nach 13 Zügen lag Yosip mit Weiß im Ringstaub. Matt oder Damenverlust hieß die Wahl für ihn. Viele andere Spieler hätten Tor 3 gewählt: Aufgabe. Nicht so Yosip! Getreu dem Motto, das man nur Briefe aufgibt aber keine Schachpartien, nervte er den Gegner mit weiteren sechzehn Zügen und einer Verlängerung der Spieldauer auf 2½ Stunden.
Dusan sprach nachher von einem Trick, als ich ihn nach der fehlenden weißen Dame befragte. Ich hatte nämlich während meiner Partie mehr oder weniger teilnahmslos zum Brett von Yosip herübergeblickt. Irgendwann fiel mir auf, das eine Dame fehlte und ich fand trotz mehrmaligen Nachzählens nur eine einzige Leichtfigur als Kompensation. Respekt für soviel Leidensstärke!

Als ich mich für Yosip's Partie interessierte, hatte sich das Kräfteverhältnis auf meinem Brett bereits in meine Richtung verschoben. Dabei begann die Partie denkbar ungünstig. Nach dilettantischer Eröffnungsbehandlung schlug es bei mir im x. Zug auf f2 ein. Den Minusbauern bezahlte ich zusätzlich mit einem Wanderkönig, durfte aber im Gegenzug auch die schwarze Rochade verhindern.
Nach dem Einschlag in meinem Königsflügel wurde Helmut Schöffler etwas nachlässig. Anstatt mit einem starken Springerzug - den wir in der Analyse beide nicht sahen - Matt zu drohen, entschied er sich für das Schlagen meines Läufers durch seinen König. Damit begab er sich allerdings in eine gefährliche Springergabel, die ihm eine Leichtfigur kostete. Stefan Hölz, der am Nebenbrett saß und den Figurengewinn voraussah, klopfte mir beim Aufstehen auf die Schulter.
Helmut Schöffler begab sich ähnlich Yosip Shapiro auf einen langen Leidensweg, wobei seine materiellen Voraussetzungen ungleich besser waren. Am Ende kürzte er das Desaster trotzdem mit einem Hilfsmatt ab. Damit stand es 1:1.

Frank Hoppe
Wolfgang Vandré ärgerte sich in der Analyse, das er die Dame-schlägt-h1-Variante nicht in der Partie gespielt hat. Hier ist gerade ein Vorschlag von Stefan Hölz (stehend) auf dem Brett.  

Nach dreieinhalb Stunden machte Rehberge zwei schnelle "Tore". Erst gab Stefan Hölz auf, nachdem er die ganze Partie über nie richtig zu Gegenspiel kam und verdient verlor. Kurz danach meldete Wolfgang Vandré eine Null. Er hatte sich im Theoriewirrwarr verhaspelt, fand an einer Stelle nicht die beste Fortsetzung, wodurch der Gegner seine Stellung konsolidieren konnte.

Kurz vor 13 Uhr, nach knapp vier Stunden, verkürzte Thilo Keskowski gegen Michael Sielaff auf 2:3. Sielaff's mürbe Bauernkonstruktion am Königsflügel machte hier den Unterschied. Die unnötige Königswanderung von Weiß in bereits deutlich nachteiliger Stellung brachte Thilo einen schnellen Punkt. Sielaff gab kurz vor dem Blättchenfall auf.

Die verbliebenen drei Partien ließen nur mit viel Optimismus die Chance auf ein 4:4 erhoffen.
An Brett 1 zwischen Martin Gebigke und IM Panagiotis Cladouras hatten beide Spieler deutlich unter fünf Minuten für noch etwa 15 Züge. Martin hatte sogar nur noch höchstens eine Minute, spielte trotzdem verdächtig langsam und schrieb sogar noch die Züge mit. Materiell stand es noch gleich, wobei sich Martin's Freibauer wohl bald ersatzlos verabschieden würde.
Bei Thomas Hämmerlein und Herbert Kauschmann stand ein remisverdächtiges Damenendspiel bevor und am 8. Brett hatte Joachim Klemp noch alle Chancen auf den vollen Punkt.

Meine Aufmerksamkeit gehörte in den nächsten Minuten Brett 1. Ich bewaffnete mich mit Kugelschreiber und Partieformular und notierte ab dem 27. Zug mit. Als ich gerade Martin's 39. Zug aufschrieb, reklamierte Cladouras Blättchenfall bei seinem Gegner. Wann genau die Reklamation erfolgte und wie sie geschah, vermag ich nicht zu sagen, da ich mit meiner Notation beschäftigt war. Jedenfalls tat Martin sofort seinen Unmut kund und bemängelte das Vorgehen Cladouras'. Eine völlig unnötige Reaktion von Martin, denn die Tatsachen waren klar: sein Blättchen war gefallen und Cladouras hatte dies reklamiert, also den Gewinn für sich beansprucht. Nach einem kurzen Disput einigten sich beide Spieler auf die Rekonstruktion der Partie an einem Nebenbrett unter Zuhilfenahme meiner Aufzeichnungen. Danach stand es 4:2 für Rehberge.

Anmerkung: Wie mir Martin telefonisch mitteilte, war sein Gegner für den Unmut verantwortlich. Cladouras reklamierte Blättchenfall, woraufhin Martin die Uhr völlig zurecht anhielt. Cladouras setzte diese aber wieder in Gang und wollte zur Analyse übergehen.

Frank Hoppe
Trotz Materialnachteil darf Joachim Klemp (links) noch zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wenig später wird Burkhard Bornschein den Turm auf e1 einstehen lassen.  

Frank Hoppe
Mit den Namen hapert's bei Achim noch  

Der neue Matchstand nach wenig mehr als vier Stunden wurde von Herbert Kauschmann zu einem Remisangebot genutzt, welches Thomas Hämmerlein nach Betrachten der Stellung an Brett 8 akzeptierte. Dort hatte sich inzwischen die Materialkonstellation zugunsten von Bornschein verschoben. Burkhard Bornschein war wohl an diesem Tag der glücklichste Mensch. Joachim Klemp hatte fast die gesamte Zeit über die Partie im Griff. Im 39. Zug bot sich ihm sogar die Chance zu einem Turmgewinn. Bornschein hatte in Zeitnot dem von der Dame angegriffenen Turm einfach die Deckung entzogen. Als er die Uhr drückte sah er das Malheur und saß wie auf Kohlen. Klempi ließ das Geschenk trotz genügend Zeitpolster unbeachtet und verlor wenig später.

Das 2½:5½ war letztendlich verdient, fiel aber etwas zu hoch aus.

Frank Hoppe
Michael Sielaff stärkt sich vor der Analyse mit Thilo Keskowski noch mit einer Banane  

Frank Hoppe
IM Panagiotis Cladouras. Berüchtigt für seine lässigen Gesten, wenn der Gegner am Abgrund steht.  

Frank Hoppe
Ein Musterbeispiel für ein vorzüglich ausgefülltes Partieformular von Thomas Hämmerlein. Glücklicherweise stand mir auch das Formular von Herbert Kauschmann zur Verfügung.  

Frank Hoppe
Beim Oberhaus rauchen die Köpfe. Rehberge führt 2:1 durch die Bretter 5 bis 7. Peter Stippekohl schaut Herbert Kauschmann über die Schulter. Der nachdenkliche Michael Sielaff kürzt gleich mit Kh3 die Partie gegen Thilo ab.  

Frank Hoppe
Pokalsammlung der Fußballer  

  Interessante Stellungen

Lüders - Vandré nach 12. Le2

Wolfgang verschmäht hier den Bauern g2, worauf er für die Qualität zwei Bauern und eine Riesenstellung bekommen hätte.

Shapiro - Jeremic nach 13. ... Sd4

Mit zwei nachlässigen Zügen brachte sich Yosip auf die Verliererstraße: Matt oder Damenverlust. Er entschied sich für's Weiterspielen.

Hoppe - Schöffler nach 14. ... Kxe7

Schöffler hatte nach einigen Minuten Bedenkzeit den Läufer auf e7 geschlagen und übersah dabei 15. Dxg4.

Bornschein - Klemp nach 39. Se2

Bornschein hatte in Zeitnot den Springer nach e2 zurückbeordert und schreckte sogleich zusammen. Doch Klempi verschmähte den Turm auf e1.

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