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05.02.2012 - 14:42 Uhr

BMM 2009/10 - 1. Mannschaft, 3. Runde am 08.11.2009

Frank Hoppe
Imbißangebot  

SV Berolina Mitte          6,5 : 1,5 SW Lichtenrade/Neukölln
101 Martin Gebigke    2174   ½ : ½   102 Fabian Gallien         2177
102 Wolfgang Vandré   2089   1 : 0   103 Jens-Uwe Stielau       2024
103 Thomas Hämmerlein 2103   ½ : ½   104 Lutz Pinkus            2002
105 Yosip Shapiro     1997   1 : 0   105 Christian Wolf         1980
106 Stefan Hölz       1997   1 : 0   106 Bruno Triebus          1849
107 Dietmar Poppner   1929   ½ : ½   107 Roman Falz             1976
108 Frank Hoppe       1969   1 : 0   109 Dr. René-Reiner Starke 1819
210 Joachim Klemp     2031   1 : 0   110 Leon Bornemann         1761
Alle Partien - + alle der 2. Mannschaft

Eine Woche nach der Schmach von Rehberge mußten wir uns bereits wieder für den nächsten Wettkampf zusammenraufen. Die BSV-Spielkommission hatte aufgrund von Terminnot den ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, zwei BMM-Runden im Abstand von einer Woche abzuwickeln. Auf uns wartete der Besuch durch eine Spielgemeinschaft aus dem Berliner Süden. Landesligaabsteiger Schwarz-Weiß Lichtenrade hatte sich mit Stadtligaabsteiger Schwarz-Weiß Neukölln zusammengetan. Die Neuköllner durchlebten in den letzten Jahren eine schwere Phase. Die Zukunft des Vereins stand auf dem Spiel. Legende Adolf Delander verstarb, später verließen Burkhard Bornschein (zu Rehberge) und Yosip Shapiro (zu uns) den Verein. Lichtenrade leistete Nachbarschaftshilfe.
Die Zusammenarbeit in der laufenden Saison war nach zwei Runden bereits sehr erfolgreich. Gemeinsam mit Rehberge stand die Spielgemeinschaft an der Spitze der Stadtliga A. In Runde 3 am 8. November wartete allerdings ein schwerer Brocken: Berolina Mitte.

Wir mußten unsere Mannschaft auf einer Position ändern. Dietmar Poppner, der am Freitag im Vereinsturnier Martin Gebigke's Morra-Gambit-Bauern tapfer verteidigte und in einen vollen Punkt umwandelte, stand mit neuem Elan wieder zur Verfügung. Seine selbstgewählte Ruhepause war damit nur von kurzer Dauer. Hätte jetzt nicht noch Thilo Keskowski abgesagt, wären wir wieder mit dem Stammachter angetreten. Für ihn spielte Joachim Klemp.

Frank Hoppe
Dietmar Poppner und Yosip Shapiro bei der Vorbereitung  

Zum Rundenbeginn um 9 Uhr waren von den Gästen erst drei anwesend. Während unsere zweite Mannschaft ihren Wettkampf gegen Nordost bereits begonnen hatte, saßen wir däumchendrehend an den Brettern oder schnappten draußen Luft.
Nichts vom Däumchendrehen hielt Wolfgang Vandré. Er hatte gerade mit seinem bereits anwesenden Gegner Jens-Uwe Stielau die ersten beiden Züge ausgetauscht, als ich ihn darauf aufmerksam machte, das Lichtenrade/Neukölln noch nicht spielfähig wäre. Etwa zehn Minuten nach Neun fand Roman Falz unser Spiellokal - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er suchte wirklich.
Lichtenrade/Neukölln war nun zu viert, allerdings noch ohne Mannschaftsleiter Fabian Gallien. Mein Gegner, Dr. René-Rainer Starke, entschied sich deshalb dafür, die Aufstellung aus dem Kopf mit Hilfe der anwesenden Kollegen niederzuschreiben. Das gelang mit Mühe und Not, denn neben der für ihn unklaren Schreibweise einiger Namen, verwechselte er die Bretter von Triebus und Falz (was er später korrigierte) und wußte auch nicht die Startnummern.
Um Viertel nach Neun trafen die fehlenden vier Leute von Lichtenrade/Neukölln ein. Sie waren zuerst zum "en passant" gefahren, wo sie von ihrem Irrtum unterrichtet wurden.

Für den Wettkampf war die Irrfahrt der Südberliner kein gutes Omen. Hinzu kam ein teilweise deutlicher DWZ-Nachteil an vielen Brettern. Drei dieser Bretter gingen dann auch ziemlich schnell verloren. Zuerst erwischte es den 15jährigen Bruno Triebus gegen Stefan Hölz. Hölz hatte einen Bauern gewonnen und später wieder "abgegeben". Als Triebus ein Figurenverlust drohte, gab er plötzlich auf. Dabei war die Stellung alles andere als aufgabereif. Die Figur hätte bei fast ausgeglichener Stellung auf einfache Weise gerettet werden können. Doch Triebus gab als Entschuldigung einen Termin an. Er hätte ohnehin die Partie in Kürze beenden müssen.
Deutlicher war der Sieg von Joachim Klemp an Brett 8. Sein junger, zierlicher Gegner Leon Bornemann sah sich einem "halben" Blackmar-Diemer-Gambit gegenüber. Er traute sich nicht kurz zu rochieren und wurde dann von einem tödlichen Springerschach auf d6 überrascht. Aus nach 13 Zügen.
Das 3:0 schoß der Berichterstatter. Ich plazierte mit Schwarz einen Mehrbauern auf a3 (sein Weg: c7-c5xb4xa3) und opferte später noch die Qualität um diesen starken Freibauern zu unterstützen. Dr. Starke mußte die Qualität zurückgeben und ich hatte ein gewonnenes Endspiel mit zwei gesunden Mehrbauern auf dem Brett. Zu meiner Überraschung spielte mein Gegner tapfer weiter und schockte mich anschließend mit der Aussage, das man ein Turmendspiel mit zwei Minusbauern unter Umständen noch Remis halten könne.

Joachim Klemp
Frank Hoppe vor der Partie  

Klaus Welke
Frank Hoppe nach der Partie  

Meine Aufmerksamkeit galt nach dem Ende meiner Partie, der von Yosip Shapiro. Er hatte mit seinem Gegner Christian Wolf vor Partiebeginn noch Zärtlichkeiten ausgetauscht. Beide kennen sich aus vielen Jahren bei Schwarz-Weiß Neukölln.
Auf dem Brett war die Freundschaft vergessen. Yosip hatte immer mehr vom Spiel und als Wolf mit seiner schwarzen Dame einen Abstecher nach h6 unternahm, ahnte er noch nicht, das dies der letzte Aufenthaltsort für das Püppchen sein sollte. Das Finale spielte Yosip super. Er lockte den gegnerischen Turm von der Grundreihe weg, besetzte diese mit eigenen Schwerfiguren und ließ Christian Wolf nur die Möglichkeit zur Aufgabe. 4:0.

Ein Remis genügte jetzt zum Mannschaftssieg. Die Züge auf drei Brettern plätscherten in eher ausgeglichenen Stellungen vor sich hin und Martin Gebigke's Brett interessierte mich bis dahin nicht. Wolfgang Vandré wich Zugwiederholungen seines Gegners aus und Thomas Hämmerlein war von einem Remisangebot, das sein Gegner ablehnte, noch derart angesäuert, das er alle späteren Friedensversuche seines Gegners abblockte - obwohl die Stellung beim besten Willen für beide Seiten nicht mehr zu gewinnen war.

Frank Hoppe
Dietmar Poppner  

Der halbe Punkt kam schließlich in der Partie zwischen Dietmar Poppner und Roman Falz zustande. Falz hatte mit zwei frühen Remisangeboten die Friedensverhandlungen eröffnet, doch Dietmar wollte mehr. Mehr war aber nicht drin. Als er selbst den Friedensschluß anbot, nahm Falz natürlich an - obwohl das die Niederlage perfekt machte. Doch die war sowieso kaum noch zu verhindern gewesen.
Thomas Hämmerlein fragte mich wenig später, ob er Remis machen dürfe. Natürlich durfte er das. Er grinste und setzte sich wieder an sein Brett. Das Remis ließ aber noch einige Zeit auf sich warten, obwohl bereits seit Ewigkeiten ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern auf dem Tisch stand. Beide zogen mit ihren Läufern rund 20 bis 30 Züge zwischen den Bauern hin und her, bis Lutz Pinkus der Geduldsfaden riß. Pinkus war durch die Remisablehnung im x. Zug bei Thomas in Ungnade gefallen: der ließ zwei weitere Angebote - jetzt von Pinkus - ungehört verhallen. Beim dritten Remisangebot suchte Pinkus nach einem Schiedsrichter. Als Mannschaftsleiter war ich für diese Funktion verantwortlich. Pinkus beantragte Remis durch dreimalige Stellungswiederholung und schlug vor, die Partie auf einem anderen Brett nachzuspielen. Ich war etwas irritiert und fragte bei Thomas nach, was denn nun mit seinem Remiswillen sei. Der zuckte mit den Schultern und grinste mich an. "Ich prüfe das Formular" sagte ich zu Pinkus. Der verließ daraufhin das Brett und ich ließ meinen Blick über das Stück Papier schweifen: Lc3-d2-c3-d2-c3-d2-c3-d2-c3-d2...
Nicht viel anders sah es bei den schwarzen Zügen aus. Ich entschied auf Remis. Damit war auch Thomas einverstanden. Als er draußen nach seinem Ergebnis gefragt wurde, war seine Antwort: "Der Schiedsrichter hat auf Remis entschieden!"
Sportlich fair war das ganze Theater sicherlich nicht, auch wenn keiner der Spieler einen wirklichen Nachteil hatte - außer später zum Mittagessen zu kommen. Lutz Pinkus wirkte aber trotzdem eher genervt.

Es stand 5:1 und die beiden Partien an den Spitzenbrettern liefen noch. Wolfgang Vandré knetete ein ungleichfarbiges Läuferendspiel mit Damen und vielen Bauern und Martin Gebigke kämpfte erbittert um den Erhalt seiner ein bis zwei Mehrbauern.
Wolfgang's Knetaktion war schließlich erfolgreich, auch wenn Kiebitz Joachim Klemp angesichts einfacher Gewinnabwicklungen, die Wolfgang nicht sah, die Haare zu Berge standen.

Frank Hoppe
Wolfgang Vandré, Martin Gebigke und Yosip Shapiro  

Frank Hoppe
Analyse der Partie von Wolfgang Vandré (rechts). Links Martin Gebigke.  

Die Partie an Brett 1 entwickelte sich zu einem wahren Krimi. Martin Gebigke hatte sein Mehrmaterial eingebüßt und auf dem Brett waren nur noch ein Springer und ein Turm je Farbe verblieben. Hervorragende Voraussetzungen für ein sofortiges Unentschieden. Nicht so bei den beiden Kämpfern, wo sich vor allen Dingen bei Martin das Restzeitpolster gen Null bewegte. Als die Züge immer schneller gespielt wurden und Wolfgang Vandré mit der Notation nicht mehr hinterherkam, griff ich zu meiner Kamera und filmte die letzten Züge.

6½:1½ - ein auch in dieser Höhe verdienter Sieg, der mit Platz 2 in der Tabelle belohnt wird. Wenn wir diesen Platz auch nach neun Runden noch haben, können wir mit der Saison zufrieden sein. Am BSC Rehberge, die nach uns auch Pankow 3 mit 5½:2½ schlugen, kommen wir sicher nicht mehr vorbei. Zu stark sind die Rehberger an den ersten fünf bis sechs Brettern besetzt. Ein Punktverlust käme einer Sensation gleich.

Frank Hoppe
Joachim Klemp kiebitzt bei Peter Müller von der zweiten Mannschaft  

  Häufigster Zug f2-f3?

Irgendjemand sagte während des Wettkampfes, das "heute f3 der am häufigsten gespielte Zug war". Abgesehen davon, das es mit d2-d4, e2-e4 oder g7-g6 wahrscheinlich häufiger gespielte Züge gibt, hat der Witzbold wohl auch die Partie Pinkus - Hämmerlein vergessen. Verdächtig häufig wurden dort die Züge Ld2-c3 und Lc3-d2 ausgetauscht...

Ich habe die acht Partien unserer Mannschaft trotzdem einmal auf Züge untersucht, in denen ein Bauer nach f3 zieht. Hier das Ergebnis:

Vandré - Stielau nach 6. exf3. Mit dem Abtausch auf f3 errichtete Wolfgang ein Bollwerk am Königsflügel und bekam mit einem aktiven Zug (Zurücknehmen auf f3) seinen Königsläufer frei.

Pinkus - Hämmerlein nach 24. f3. Lutz Pinkus deckte damit seinen Bauern e4. Bald blieben nur noch die Läufer übrig und die Farce begann.

Shapiro - Wolf nach 13. f3. Später stebte der Bauer bis f5 und wurde zum Sargnagel.

Starke - Hoppe nach 16. f3. Weiß auf dem Weg zum Bauernverlust. Weil nach 16. ... cxb4 eine lästige Gabel auf c3 drohte, nahm Weiß auf e4 und ich bekam auf a3 einen hoffnungsvollen Frei- und Mehrbauern.

Klemp - Bornemann nach 3. f3. Emil Josef Diemer läßt grüßen!

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