BMM 2009/10 - 1. Mannschaft, 4. Runde am 06.12.2009von Frank Hoppe SC Friesen Lichtenberg 3 3,0 : 5,0 SV Berolina Mitte 301 Uwe Sabrowski 1955 ½ : ½ 101 Martin Gebigke 2168 302 Dr. Klaus Kapr 2003 ½ : ½ 102 Wolfgang Vandré 2089 304 Peter Weiss 1926 ½ : ½ 103 Thomas Hämmerlein 2103 305 Andreas Mai 1853 ½ : ½ 104 Thilo Keskowski 2070 306 Manfred Hoppensack 1952 0 : 1 105 Yosip Shapiro 2001 307 Horst Strehlow 1879 ½ : ½ 106 Stefan Hölz 1997 308 Stefan Lüdtge 1857 0 : 1 107 Dietmar Poppner 1916 404 Wolfgang Schüler 1825 ½ : ½ 108 Frank Hoppe 1969
Seit der Niederlage am 1. November beim Staffelfavoriten Rehberge ist die Stimmung in der Mannschaft etwas niedergedrückt. Besonders tief scheint die Psyche dabei von Thomas Hämmerlein angegriffen zu sein. Beim letzten Heimkampf am 8. November lieferte er sich x Zugwiederholungen mit seinem Gegner und reagierte auf keinerlei Remisangebote mehr, nachdem sein eigenes abgelehnt wurde. Am Sonntag bei Friesen Lichtenberg war es ihm schnuppe, als ich mein schnelles Remis verkündete und er meinte "Rehberge ist sowieso durch." Danach widmete er sich wieder seiner Partie und fand die Kommentare zu seinem rückständigen d-Bauern eher belustigend. Selbst der am Freitag gewonnene vierte Vereinsmeistertitel scheint ihn nicht glücklich zu machen. "Kann ich den Titel ablehnen?" fragte er mich und begründete seinen Wunsch mit zu schlechtem Spiel. Er hätte "den Titel nicht verdient." Der letzte BMM-Wettkampf in diesem Jahr war eher ein etwas müder "Kick" bei einem Außenseiter der Stadtliga A. Ein Sieg beim SC Friesen Lichtenberg 3 galt als lästige Pflichtaufgabe. Nur über die Höhe waren Diskussionen zulässig. Die erste Stunde des Wettkampfes war relativ ereignislos. Nur zwei nennenswerte Begebenheiten rissen die Spieler aus ihrer Lethargie. An Brett 4 klingelte es beim mit Schwarz spielenden Thilo Keskowski bereits im 7. Zug auf f7. An Brett 5 schüttete Manfred Hoppensack gerade seinen Kaffee über das BMM-Heft. "Bis zum Tisch habe ich es aber geschafft" war sein Kommentar zu den schmunzelnd aufblickenden Tischnachbarn.
Während Hoppensacks Staffelheft trotz Aufhängung zur Trocknung seinen unbefleckten Zustand nie mehr erreichen wird, konnte Thilo wenigstens seinen Betriebsunfall reparieren. Für den Remisschluß im 35. Zug bekam er mehr Glückwünsche und Schulterklopfer als sein 217 Punkte schwächerer Gegner Andreas Mai. Auf dem Analysebrett im Flur watschte Mai alle Zugvorschläge mit den Worten "er hätte sich Etwas dabei gedacht" ab. Insgesamt muß man aber sagen, das er aus dem plötzlichen Material- und Stellungsvorteil zu wenig gemacht hat. Zum Glück für Thilo.
Unspektakulär hatten sich vor Thilos Remis bereits Frank Hoppe und Stefan Hölz Remis mit ihren Gegnern vereinbart. Hoppe ließ bereits mit seinem dritten Zug Remisabsichten erkennen und tauschte im Franzosen auf e4 ab, statt mit Sf6 fortzusetzen. Später war es allerdings eher sein Gegner, der es statt eines Angriffs auf h7, vorzog Figuren zu tauschen.
Es stand 2:2 und die noch laufenden Partien standen entweder gleich oder vorteilhaft für uns. Thomas beurteilte die Stellungen von Wolfgang Vandré und Yosip Shapiro sogar als gewonnen. Ich war da schon vorsichtiger, da sich materiell noch nichts Bdeutendes getan hatte und die Initiative allenfalls bei unseren Spielern lag.
Neben Yosip sorgte auch Dietmar Poppner für die beruhigende 4:2-Führung. Dietmar stand in der Eröffnung eher bescheiden und gab im 14. Zug einen Bauern, um wenigstens den König rochieren zu können. Später hatten beide Spieler starke Freibauern, die nur noch in Bewegung gesetzt werden mußten. Die Vorteile lagen eher bei den schwarzen Steinen, die von Stefan Lüdtge geführt wurden. Statt auf seinen eigenen Freibauern zu setzen, sorgte sich Lüdtge aber mehr um Poppners Freibauern und geriet zunehmend in Zeitnot. Dabei nahm er für Zeitkontrolle die Uhr in die Hand, was zum Protest von Dietmar und kurzen, kontroversen Diskussionen der Kiebitze führte. Eine spätere Nachfrage beim, wegen eines anderen Wettkampfes anwesenden Internationalen Schiedsrichters Uwe Bade brachte Klärung. Das sei erlaubt, wenn der die die Uhr kontrollierende Spieler am Zug ist. Das war aber gerade nicht der Fall. Stefan Lüdtge hatte nur noch Sekunden und nahm die Störung während der Bedenkzeit von Dietmar vor. Während er über seinen 38. Zug nachdachte, fiel das Blättchen. Die Endstellung war keinesfalls verloren.
Es liefen nur noch die Partien an Brett 1 und 2. Martin Gebigke lehnte erst ein Remisangebot ab, wie ich von Stefan Hölz erfuhr, obwohl wir 4:2 führten. Acht Züge später war das Remis trotzdem perfekt und Martin sogar etwas traurig. "Irgendwie ist es immer ein wenig schade, wenn eine Partie vorbei ist." schreibt er in seinem Partiekommentar. Wenigstens einer, der motiviert war...
Ach nein, da gibt es noch einen zweiten (Über-)Motivierten. Wolfgang Vandré wollte einfach nicht glauben, das er nur maximal ein Remis schaffen könne. Er stand doch so gut! So quälte er sich, seinen Gegner und die Anwesenden mit einem remisverdächtigen Endspiel. Die Gastgeber begannen inzwischen schon, die Nachbartische abzuräumen. Dietmar und Yosip beteiligten sich tatkräftig daran. Von alldem ließ sich Wolfgang nicht stören und suchte weiter nach einem Gewinn. Umsonst.
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