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05.02.2012 - 14:43 Uhr

BMM 2009/10 - 1. Mannschaft, 5. Runde am 17.01.2010

von Frank Hoppe

SV Berolina Mitte          5,5 : 2,5 BSG 1827 Eckbauer
101 Martin Gebigke    2138   ½ : ½   102 Oliver Issel       2007
103 Thomas Hämmerlein 2104   1 : 0   103 FM Klaus Zschäbitz 2017
104 Thilo Keskowski   2044   1 : 0   105 Stefan Ritter      2022
105 Yosip Shapiro     2003   1 : 0   107 Thomas Victor      1959
106 Stefan Hölz       1997   ½ : ½   108 Thomas Neubart     1876
107 Dietmar Poppner   1934   + : -   202 Felix Schnell      1834
108 Frank Hoppe       1954   ½ : ½   206 Jörg Lohmar        1840
210 Joachim Klemp     2031   0 : 1   213 Aaron Schindler    1474
Pl. Mannschaft                        Sp MP BP
 1. BSC Rehberge 1945                 5  10 29,5
 2. SV Berolina Mitte                 5  8  24,5
 3. SC Weisse Dame 3                  5  6  25,0
 4. BSG 1827 Eckbauer                 5  6  20,5
 5. Rotation Pankow 3                 5  6  19,0
 6. SW Lichtenrade/ Neukölln          5  4  19,0
 7. SC Friesen Lichtenberg 3          5  4  18,5
 8. Hertha / Lavandevil               5  4  16,0
 9. SC Kreuzberg 4                    5  2  14,5
10. SG Lasker Steglitz Wilmersdorf 2  5  0  13,5
Alle Partien - und Partien der 2. Mannschaft

Für den Wettkampf gegen die Berliner Schachgesellschaft 1827 Eckbauer mußten wir kurzfristig Wolfgang Vandré ersetzen, der sich am Tag zuvor bei Werner Windmüller krankgemeldet hatte. Werner wies den Mannschaftsleiter der Zweiten an, einen seiner Stammspieler in die Erste zu beordern. Joachim Klemp (bereits zwei Einsätze in Mannschaft 1) und Bernd Hiller (3. Mannschaft) blieben tabu für die Erste. Soweit die Theorie. In der Praxis stieß der Wunsch von Werner auf taube Ohren bei der 2. Mannschaft. Deren Mannschaftsleiter Peter Müller ging den Weg des geringsten Widerstandes und schickte Klempi in die Erste. Fatal nur, das niemand merkte, das es Achim's dritter Einsatz in der Ersten war. Peter Müller, als Auslöser der Verschiebung, ist das wohl als Letztem anzulasten. Dumm nur, das vom Betroffenen einmal abgesehen, nicht mal Frank Hoppe das sich anbahnende Desaster verhinderte. Er ist schließlich Mannschaftsleiter der Ersten und müßte Kenntnis von den bisherigen Einsätzen seiner Spieler haben.

Achim ist damit für den Rest der Saison in der 1. Mannschaft "festgenagelt" und kann nicht mehr in der 2. Mannschaft zum Einsatz kommen. Und schuld bin ich, wenn es dadurch zu Personalproblemen kommen sollte. Und Peter Müller natürlich, der sich nicht gegen seine rebellierenden Mannschaftskameraden durchsetzen konnte, um eine Anweisung Werner's umzusetzen. Wenn es um kurzfristige Aufstellungsänderungen geht, ist offensichtlich jeder Spieler sein eigener Mannschaftsleiter: "Ich habe mich drei Wochen mit Weiß auf Müller, Meier und Schulze vorbereitet und dabei bleibt es!", "Ich habe mich auf Schwarz vorbereitet und spiele kein Brett höher!", "Ich spiele nur da, wo ich vor zwei Wochen geplant war - oder ich gehe!" - nur einige Ausreden, die man bei solchen Anlässen zu hören bekommt. Das nennt man wohl auch Amateurschach. Professionelles Verhalten ist für diese Amateure ein Fremdwort. In der 1. Bundesliga wären solche Spieler hochkantig aus der Mannschaft geflogen und nicht mehr berücksichtigt worden.

Ein zweites Problem ist die Schiedsrichtertätigkeit. Früher war es so, das die Mannschaftsleiter diese Funktion übernahmen, egal ob sie davon Ahnung hatten oder nicht. Neuerdings reicht ein Schiedsrichter je Spielstätte und der wird vom Gastgeber gestellt. In Runde 1 hatte Werner noch Andreas Reiche als Schiedsrichter festgelegt. Der hat zwar auch keine Schiedsrichterausbildung, war aber vor mehr als 13 Jahren Hilfsschiedsrichter beim Open Berliner Sommer. Ob ihn das qualifiziert, mögen Andere beurteilen. Fakt ist, es gibt kaum eine Alternative. Niemand hat meines Wissens bei Berolina eine Schiedsrichterausbildung. Es gibt höchstens Spieler die vorgeben, sich gut oder sehr gut mit den Regeln auszukennen. Andreas ist einer davon, Martin Gebigke ein weiterer. Selbst ich werde um Rat befragt. Als ob ein DWZ-Referent und langjähriger Funktionär sich automatisch gut mit den Regeln auskennt...

Kurz nachdem ich als Mannschaftsleiter den Wettkampf zwischen uns und Eckbauer eröffnete, war prompt ein Schiedsrichtereinsatz nötig. Ich hatte an allen leeren Brettern die Uhr von Weiß in Gang gesetzt, auch am Brett 3. Unser Thilo Keskowski hatte Schwarz und war noch nicht anwesend. Sein Gegner Stefan Ritter hatte sich zwar bereits an seinem Brett eingerichtet, war aber nicht im Raum. Als Ritter nach rund fünf Minuten an seinem Brett erschien, hatte er nichts Besseres zu tun, als sich über seine laufende Uhr zu unrecht aufzuregen. Martin Gebigke meldete sich daraufhin zu Wort. Anstatt seinen Zug zu machen und die Uhr von Thilo anzustellen, stellte Ritter die Uhr regelwidrig auf Null zurück. Da half auch nicht mein Einwand (ich hatte bereits meine Partie begonnen und wurde von der Diskussion gestört), das ich den Wettkampf bereits eröffnet habe und die Uhr von Weiß zurecht läuft.

An Brett 6 konnten wir nach einer halben Stunde die Führung erzielen. Dietmar Poppner probierte 1. b3 und gewann kampflos. Glücklich sah er darüber nicht aus.
Es folgten zwei Kurzremisen mit 10 bzw. 11 Zügen. Mein Gegner warf mich mit 7. Sf3 aus meinem "Französisch-Eröffnungsbuch". Nur zwei Züge später begann auch mein Gegner zu überlegen. Ich war mit Sg6 von der Theorie abgewichen. Beim Damentausch bot er dann Remis, was ich sofort annahm.

Einem völlig unbekannten Gegner sah sich Joachim Klemp gegenüber. Den Namen Aaron Schindler habe selbst ich noch nie gehört. Nach Auskunft der Eckbauern soll er wohl mal eine 1400 gehabt haben, danach einige Jahre ausgesetzt und zuletzt schlug er in der BMM einen 1900er. Auch vor Achim machte er nicht halt. Sehenswert wie er mit Schwarz Achim's Bauernkette in der Brettmitte in ihre Einzelteile zerlegte. Es war der verdiente 2:2-Ausgleich für Eckbauer. Jetzt spielte nur noch das Oberhaus.

Das Geschehen an den ersten vier Brettern wogte hin und her. Die Prognosen standen anfangs auf knapper Sieg, dann auf knapper Niederlage.
Martin Gebigke investierte in die ersten zwanzig Züge soviel Zeit, das er die zweiten zwanzig Züge bis zur Zeitkontrolle herunterblitzen mußte. Seinen Mehrbauern hielt er dabei tapfer fest. Ich plädiere dafür die Regelspielzeit von 9 bis 15 Uhr auf 20 Uhr auszuweiten. Dann stünden sechs statt nur drei Minuten je Zug zur Verfügung. Vielleicht kommt Martin damit aus. Glücklicherweise schafft er die Zeitkontrolle auch fast immer. Dem Berliner Großmeister Sämisch erging es einst anders. In einem Turnier verlor er alle Partien durch Zeitüberschreitung!
Thomas Hämmerlein stand mit Weiß sehr passiv. Stefan Hölz sprach angesichts der Bauernkette in der Brettmitte von einer "Berliner Mauer".
Thilo Keskowski hatte zwar einen Mehrbauern, aber von einem gewinnverheißenden Vorteil konnte noch nicht die Rede sein. Dafür befand sich sein Gegner in zunehmender Zeitnot. Welch ein Glück, das er sich zu Partiebeginn fünf zusätzliche Minuten beschert hatte (s.o.=)

Frank Hoppe
Ob hier alle weißen Bauern überleben, um gekrönt zu werden? Thomas Hämmerlein ist jedenfalls optimistisch.  

Frank Hoppe
Klempi kiebitzt bei Yosip Shapiro und Thilo Keskowski  

Frank Hoppe
Bernd Hiller (mit gebrochenem Bein) beim Nachbereitungsblitz  

Frank Hoppe
Alexander Ardermann überlegte hier schon eine halbe Stunde  

Frank Hoppe
Leonid Sawlin am Zug  

Frank Hoppe
Aaron Schindler (DWZ 1474) zerstörte einen übermotivierten Joachim Klemp  

Frank Hoppe
Bezirksmeister 1963 Alfred Barwich gegen Deutscher Meister 2009 Leonid Sawlin  

Frank Hoppe
Thomas Neubart, Dietmar Poppner und Stefan Hölz frieren bei der Zigarettenpause  

Frank Hoppe
Peter Müller, FM Boris Gruzman  

Frank Hoppe
Eine Stunde vor Spielbeginn. Werner Windmüller befreite kurz zuvor die Stufen zum Seniorenklub vom Eis.  

Autoreninfo

Frank Hoppe,
Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des SV Berolina Mitte ins Leben gerufen. Er ist außerdem Elo-Referent der FV Schach und Webmaster des Deutschen Schachbundes und des Berliner Schachverbandes.

Email: info@svberolinamitte.de

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