4 mal Caro-Kann in 5 Tagen

4 mal Caro-Kann in 5 Tagen

Ich bin ja nicht der Spieler, der sich so mit Eröffnungstheorie und anderweitiger Schachwissenaneignung beschäftigt. Die meisten Eröffnungen kenne ich zwar dem Namen nach, bin aber nicht imstande die Züge dazu auf dem Brett auszuführen. Mein spärliches Wissen baut sich zum größten Teil auf meinen Jugendzeiten auf, wo ich miserabel Fernschach spielte, dabei aber die Bücher zu Rate zog. Ansonsten vertraue ich schon immer meiner Intuition und dem damit verbundenen schnellen Spiel, was den ein oder anderen Gegner mächtig nervt. Und andere zu der Verkenntnis verleitet, ich sei ein Stümper, weil ich beim Schach nicht richtig nachdenke. Mache ich ja auch nicht, ich tue meistens ja nur so.

Für den nachfolgenden kleinen Beitrag wurde ich durch Partien von Freitag, dem 12. Oktober bis Dienstag, den 16. Oktober inspiriert. Drei Partien spielte ich selbst, bei der vierten Partie konnte ich nur zuschauen. Und immer kam Caro-Kann aufs Brett!

Freitag, der 12. Oktober

Angesetzt war eine Partie in der A-Gruppe der Vereinsmeisterschaft. Mein Gegner mit Schwarz hieß Yosip Shapiro. Der in Moskau geborene 82-Jährige lebt schon seit über 20 Jahren in Deutschland, kann dafür allerdings nur spärlich Deutsch sprechen. Das Verstehen scheint aber ganz gut zu klappen. In unserem Verein spielt er seit 2009. Zuvor war er kurz bei Chemie Weißensee, danach bei TuS Makkabi und nach acht Jahren Schwarz-Weiß Neukölln stieß er zu uns. Mit unserer Lena Gebigke, die in Weißrussland geboren wurde, spricht er immer Russisch. Zwischen quasi Landsleuten baut sich so eine gute Beziehung auf.

Schachlich hat Yosip eine ganze Menge drauf. Mehrfach gewann er die Berliner Seniorenmeisterschaft. Und ich kann mich nicht erinnern, gegen ihn schon mal in einer langen Turnierpartie gewonnen zu haben. Im Schnell- und Blitzschach ist mir das schon gelungen. Yosips letzte Schnellschachpartie gegen mich am 5. Oktober ging aber ziemlich vernichtend für ihn aus. Von daher war mein Anspruch auch diesmal gegen ihn gewinnen zu wollen. Und hier die Partie:

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B1812.10.2018[Hoppe,Frank]

Sonntag, der 14. Oktober

Bretter 5 bis 8, links Yosip Shapiro
Frank Hoppe
Bretter 5 bis 8, links Yosip Shapiro

Und wieder spielt Yosip eine Rolle in meiner Caro-Kann-Serie. Er spielte am Sonntag in Zehlendorf am Brett neben mir mit Schwarz gegen Thomas Heerde. Und natürlich kam die Eröffnung von Freitag wieder auf das Brett. Thomas spielt mit Weiß allerdings anders - und etwas verzweifelnd, ob Schwarz gerade überspielt wird, schaute ich immer wieder rüber.

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B1114.10.2018

Montag, der 15. Oktober

Es ist angerichtet!
Frank Hoppe
Es ist angerichtet!

Für die 2. Runde des Eckbauer-Opens hatte die Paarungssoftware für mich Dr. Herbert Mayer vorgesehen. Ich kenne Herbert schon seit Ewigkeiten. Wir spielen gemeinsam Betriebsschach beim SV Osram und haben schon unzählige Duelle miteinander ausgefochten, z.B. beim Einladungsturnier von Rochade oder beim Fredersdorfer Weihnachtsblitzturnier. Da er nur eine 1700 hat, gewinne ich sehr oft. Aber manchmal gibt es auch Niederlagen, worüber sich natürlich Herbert sehr freut. Ein perfekter Gegner für mich, den ich auf die leichte Schulter nehmen kann. Entsprechend lief auch die Partie. Wie am Freitag stand Caro-Kann auf dem Brett. Seltsamerweise ließ Herbert den Abtausch des Läufers auf g6 zu. Und ich griff danach wahrscheinlich zu ungestüm am Damenflügel an. Als sich die Waage zu Gunsten von Herbert neigte, bot er mir ein Remis an. Ich konnte das unmöglich ablehnen, obwohl ich nochmal zehn Sekunden überlegte.

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B1815.10.2018

Vor der Partie kam übrigens Bernhard Riess zu mir und wollte mich um etwas bitten. Ich sagte sofort zu, ohne zu wissen um was es geht. Bernhard ist Chef bei Osram und brauchte noch Spieler für den nachfolgenden Tag bei SG TaxiTeam/WiHeil. Herbert hatte er schon akquiriert. Nun war ich sein Opfer.

Dienstag, der 16. Oktober

Bernhard hatte mich zusätzlich damit geködert, das er noch einen sensationellen Neuzugang an Land gezogen hat. Ich kam nicht drauf wen er meinte, aber als der Name Jörg Dippe fiel, war ich hocherfreut.

Unsere Aufstellungen postete Bernhard kurz vor Spielbeginn um 17.30 Uhr in den Räumen des BSC Rehberge per E-Mail. Er hatte Jörg in Mannschaft 1 gemeldet, wodurch ich hinter ihm spielte. "Es ist mir eine Ehre hinter Dir zu spielen!" begrüßte ich Jörg, den ich schon ein paar Jahre nicht gesehen hatte. Er ist vor einem Jahr seiner Lebensgefährtin nach Weißrussland gefolgt und hat dort ein Häuschen auf einem riesigen Grundstück gekauft. Früher hatte Jörg einen einträglichen Job bei Gillette in Berlin und baute dort einen der schlagkräftigsten Betriebsschachvereine Deutschlands auf. Dabei investierte er viel privates Geld, um sich die vielen guten Spieler leisten zu können, z.B. Roman Slobodjan, Mladen Muse, Robert Rabiega und Arik Braun. Angefangen hatte er Jahre vorher ganz klein mit mir. Da spielte sein Klub noch im Hinterzimmer einer Tempelhofer Kneipe und rekrutierte sich aus eher schwachen Spielern. Jörg hatte von mir schon vorher gehört, ich war Webmaster vom Berliner Schachverband und DWZ-Referent. Mit mir wuchs die Vereinsspielstärke schon mal ein bißchen. Ich lotste danach noch meine Arbeits- und Schachkollegen Peter Hintze und Andreas Reiche zu Gillette. Der Aufstieg zur Betriebsschach-Landesliga konnte beginnen. Später wurden wir freilich durch noch stärkere Zugänge ersetzt und kamen nur noch sporadisch in Mannschaft 1 zum Einsatz.

Dieser Jörg Dippe war nun wieder in Berlin und für die paar Tage untergekommen bei Bernhard. Der hatte die 60 Euro für die Anreise mit dem Schlafwagen gern bezahlt. Und sich damit einen lustigen Gesprächspartner eingeladen. Doch bevor es an diesem Dienstag richtig lustig werden konnte, mußten wir ja noch spielen. Osram 1 war mit dieser Aufstellung gegen WiHeil nur Außenseiter. Doch es begann gut mit einem Sieg von mir!

Fernschach-Großmeister Andreas Bachmann stellte Caro-Kann auf das Brett. Nach den schlechten Erfahrungen vom Vortag, entschloß ich mich, ungefähr so wie Thomas Heerde zu spielen:

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B1816.10.2018[Hoppe,Frank]

Jörg am Brett vor mir sorgte für den Ausgleich. Sein Gegner war ihm haushoch überlegen, weshalb er sehr schnell an die Bar konnte, wo ich schon mit Herbert Mayer wartete. Der lustige Abend nahm seinen Lauf und Jörgs Lacher sorgten immer wieder für einen erhöhten Lautstärkepegel. Ich lobte Jörg immer wieder für seinen herausragenden Einsatz und Bernhard für die taktische Aufstellung. Ohne Jörgs Ausgleich hätten wir nie ein 3:3 geschafft. Und unser letztes Brett Richard Pfeiffer, der gegen Horst Strehlow gewann, war ganz überrascht in Mannschaft 1 gespielt zu haben. Er hatte bis Minuten nach der Partie geglaubt, es wäre die 2. Mannschaft von Osram, wo er spielt - da sowohl ich als auch Jörg vor ihm saßen...

Frank Hoppe

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