Fernschach bei Berolina

Fernschach bei Berolina

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Unter den vielen Möglichkeiten, Schach zu spielen hat auch Fernschach seinen ganz besonderen Reiz und einen ziemlichen Wandel durchgemacht. Ich begann 1981 mit dem Fernschach. Man stellte sein Holzbrett auf den Tisch und fing an mit der heimischen Analyse. Die Eröffnungsliteratur war spärlich und meist auch fehlerhaft. Es wurden sogar Partien taktisch entschieden, was heute sehr selten ist. Gereizt hat mich damals schon das internationale Fernschach. Wie ich feststellen sollte, gab es unter den Fernschachspielern auch einige Philatelisten, die eigentlich gar keine Ahnung von Schach hatten, aber so an Briefmarken aus aller Welt kamen.

Erfolge kamen schnell und so hatte ich mich bis in die Meisterklasse hochgekämpft. Dort begann dann auch meine längste gespielte Partie mit einem Russen aus Nowosibirsk. Wir schafften im Schnitt im Monat jeder einen Halbzug. Im Winter konnten auchmal Karten verloren gehen. Nach über 5 Jahren hatte ich ihn dann niedergerungen und die Gruppe gewonnen. Damit hatte man die Qualifikation, am WM-Zyklus teilzunehmen, der damals noch mit dem Semifinale als erste Phase begann. Dort belegte ich dann einen Mittelplatz. Es waren damals die Anfänge des Computerschachs. In dieser Zeit war die Hardware noch ein ernstzunehmender Faktor für die Spielstärke eines Fernschachspielers. So kam es dann zu den Ungleichgewichten, daß im Nahschach völlig erfolglose Spieler plötzlich Fernschachtitel errangen. Auch war die Auswahl der Engines noch nicht so hoch und man mußte schon immer auf dem technisch neuesten Stand bleiben. Das berechnen eines Zuges konnte damals schonmal mehrere Tage in Anspruch nehmen. Ich hatte nicht die finanziellen Mittel dafür und entschied mich, mit dem Fernschach aufzuhören. 2011 fragte mich Frank Hoppe, ob ich nicht für Berolina in einer Mannschaft Fernschach spielen möchte. Ich dachte, was solls … so ein paar Partien können ja nix schaden und mich interessierte auch, was sich seit meine 10jährigen Fernschachpause so getan hat. Damit begann dann mein neues Abenteuer Fernschach …

Inzwischen ist die Hardware nicht mehr ganz so die entscheidende Komponente. Engines gibt es eine Vielzahl und durch die Datenbanken kommt man auch an eine enorme Fülle verwertbarer Partien, um nicht gleich in der Eröffnung in grossen Nachteil zu geraten. Jeden Monat kommen ungefähr 3 neue Schachbücher heraus und mit Jahrbüchern und Magazinen ist das Angebot an Informationen unüberschaubar geworden. Was geblieben ist, ist der Zeitaufwand, den man aufbringen muß, um erfolgreich Fernschach zu spielen.

Das Hilfsmittel Computer hat inzwischen einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Schachtheorie und des Nahschachs insgesamt. Inzwischen wird eine Variante im Schach danach beurteilt, ob sie sich angenehmer spielen läßt, da ein Vorteil meist ohnehin nur noch mikroskopische Ausmaße annimmt. Das führte inzwischen dazu, daß im Fernschach nur noch einige Eröffnungen vorherrschen, mit denen man am meisten Ungleichgewicht in die Stellungen bringen kann. So gibt es spezielle nur im Fernschach auftretende Varianten, die man im Nahschach kaum antreffen würde. Erstaunlich ist auch, das selbst Nahschachspieler aus dem  >2500 Fide-Elobereich, die sich in den Fernschachdschungel wagen, meist das Tabellenende zieren. Die Remisquote ist unglaublich hoch, so daß es nicht überrascht, daß manchmal wenige Gewinnpartien ausreichen, um ein Turnier zu gewinnen. Trotzdem kann man auch in den Remispartien sehen, daß die Remisbreite manchmal nur durch einzige Züge zu halten ist, die der menschliche Geist allein nicht erfassen würde. Die Dynamik des Schachs hat durch den Computer einen ungeheuren Schub erhalten. Die Faszination dabei ist, zusammen mit der Maschine diese Dynamik zum Erfolg zu verdichten. Die Methoden, denen man sich bedienen kann sind dazu vielfältig.

Hier kommt bei einem Mannschaftsturnier nochmal hinzu, daß man auf Clubebene zusammen mit 4 Spielern um den Turniererfolg kämpft, was dem Fernschach durch eine gemeinsame Analsye nochmal eine besondere Note verleihen kann.

Berolinas Einstieg in die Deutschen Fernschachmannschaftsmeisterschaften (DFMM) begann 2011 mit der Teilnahme mit 2 Mannschaften an der 9.DFMM. Der Initiator war Frank Hoppe. Die DFMM teilt sich in drei Klassen. 1.Bundesliga / 2.Bundesliga / Bundesklasse. Berolina 1 schaffte auch gleich den Aufstieg in die 2.Bundesliga. In der darauffolgenden Saison startete Berolina schon mit 3 Mannschaften, wobei eine Diskussion an Svens Tresen über den Gebrauch von Engines im Fernschach und die dadurch geschmälerte Eigenleistung ausbrach. Das führte dazu, daß sich die Diskutierenden (Sven Horn, Andreas Volkmer, Wolfgang Vandre und ich) kurzerhand zu einer Fernschachmannschaft zusammenschlossen, um mal zu sehen, was da so geht. Der Erfolg war überragend. Von 16 Partien gewannen wir 12 und spielten 4 Remis, was den Aufstieg bedeutete. Damit war Berolina in der 11.DFMM bereits mit 2 Mannschaften in der 2.Bundesliga vertreten, da sich auch Berolina 1 dort gehalten hatte. Aber der Weg wurde steiniger. Inzwischen wuchs auch bei Berolina die Fernschachgemeinde. Es verwundert nicht, daß im mannschaftlichen Fernschachbereich auch viel mit „Legionären“ gespielt wird (also keine Berolinamitglieder). Die 11.DFMM verzeichnete somit mit 5 Berolinamannschaften wieder einen Zuwachs. Die „Tresenmannschaft“ merkte bald, das hier die Siege nicht mehr so einfach einzusammeln waren, spielte aber trotzdem lange Zeit oben mit. Am Ende reichten 3 Siege und der rest Remis „nur“ zum 4ten Platz (von 9). Berolina 1 indessen konnte sich nicht halten und stieg ab. Erstaunliches geschah in der Bundesklasse. Eine weitere „fast reine“ Berolinamannschaft mit Robert Grätz, Anreas Barwich, Thomas Müller und Andreas Wenzel schaffte noch den 2.Platz in Ihrer Gruppe nach schlechtem Start und stieg auf. Dieses Kunststück gelang auch Berolina 4, so daß Berolina dann mit 3 Mannschaften (!!) in der 12.DFMM vertreten sein wird. Zusätzlich schicken wir noch 3 weitere Mannschaften in der Bundesklasse ins Rennen, wobei diesmal auch erstmal eine Frau mit an den Start gehen wird. Das älteste Mitglied ist Erich Hebel mit 87 Jahren und mischt noch kräftig mit. Und auch einen Fernschach – IM haben wir diesmal dabei. Damit ist allerdings die kapazitätsgrenze erreicht und ein weiteres Wachstum wird es nicht geben. Inzwischen habe ich die komplette Organisation der Fernschachmannschaften von Berolina übernohmen und die Vorbereitungen sind im vollen Gang.

Die 12.DFMM wird am 15.Oktober beginnen, wobei am 15.September Anmeldeschluss ist. Sollte sich vielleicht noch jemand überlegen, sich auch einmal ins Abenteuer Fernschach zu stürzen; es sind noch 3 Plätze in einer Mannschaft der Bundesklasse zu vergeben. Die Turnierdauer beträgt maximal 2 Jahre und gespielt wird auf dem BdF-Server. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im BdF (20.- Euro Jahresbeitrag), was eine dortige Registrierung erforden würde. Es würde sich voraussichtlich um 4-6 Partien handeln. Interessenten nicht nur von Berolina können sich gerne melden unter .

Thilo Keskowski

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