Tandem-Schach – Eine alte Berolinatradition erwacht wieder zum Leben

Die Sieger Paul Sellhast und Phuc Nhat Nguyen
Jens Rennspieß
Auch nach dem Kampf hatten die Sieger nicht genug vom Schach. Links Paul Sellhast, rechts Phuc Nhat Nguyen.

Tandem-Schach oder Bughouse, wie es neuerdings auch heißt, erfreute sich früher bei Berolina großer Beliebtheit. Ich selbst habe noch in meinen ersten Jahren im Verein erlebt, wie die passionierten Tandemspieler sich die Nacht um die Ohren geschlagen haben. Immerhin gab es interessierte Spieler genug, dass Berolina regelmäßig Turniere in diesem Format ausgerichtet hat. Aber das liegt lange zurück. Ich selbst stand diesem Format immer skeptisch gegenüber und während meiner Zeit als Spielleiter (seit 2018) hat es keinen Versuch gegeben, diese Tradition wiederzubeleben. Diese Zurückhaltung ist für einen normalen Spieler legitim, aber für einen Spielleiter eigentlich nicht akzeptabel.

Am vergangenen Freitag war es so weit. Insgesamt acht Spieler trotzten der Kälte, gerade genug, um ein kleines Turnier auszurichten. Vielleicht wären bei wärmeren Temperaturen mehr Leute gekommen.

Wolfgang Vandré, Andreas Reiche, Paul Sellhast und Phuc Nhat Nguyen beim Tandem.
Jens Rennspieß
Erfahrung gegen Jugend. Rechts Andreas Reiche und Wolfgang Vandré, links Paul Sellhast und, verdeckt, Phuc Nhat Nguyen.

Im Teilnehmerfeld fand sich auch ein Gast, nämlich Paul Sellhast (Nordost). Zusammen mit Phuc Nhat Nguyen, der bei uns passives Mitglied ist, dominierten sie das Feld. Einzig das Team Katja Sommaro und Frank Binding konnte ihnen ein 2:2 abringen, kam aber nur auf Platz 3. Das Team Andreas Reiche und Wolfgang Vandré wurden Zweiter, der Berichterstatter beendete zusammen mit Manfred Gericke das Turnier als rote Laterne.

Nr. Teilnehmer TWZ 1 2 3 4 Punkte SoBerg
1 Phuc Nhat Nguyen/Paul Sellhast ** 3 2 4 9.0 38.00
2 Andreas Reiche/Wolfgang Vandré 1 ** 3 4 8.0 30.00
3 Katja Sommaro/Frank Binding 2 1 * 4 7.0 26.00
4 Jens Rennspieß/Manfred Gericke 0 0 0 ** 0.0 0.00
Links das Team Katja Sommaro und Frank Binding, rechts Wolfgang Vandré und Andreas Reiche.
Jens Rennspieß
Links das Team Katja Sommaro und Frank Binding, rechts Wolfgang Vandré und Andreas Reiche.

Fazit

Für mich als Turnierleiter war das Tandem-Turnier eine neue Erfahrung: Wie lauten eigentlich die Regeln bzw. auf welche Regeln einigt man sich? Wie sinnvoll ist ein Inkrement bei der Bedenkzeit? (Antwort: gar nicht!) Wie führe ich das Turnier in SwissChess? Wie viele Partien pro Runde spielt man eigentlich? (Natürlich vier.) Ich räume ein, dass ich die meisten Fragen erst kurz vor Turnierbeginn klären konnte und vielleicht lag es an dieser Unsicherheit, wenn ich im Vorfeld das Turnier nicht lautstark genug propagiert habe.

Ausblick

Wird es weitere Tandem-Turniere geben? Wenn es nach mir geht, ja! Dann aber zu einer wärmeren Jahreszeit, besser beworben und vorbereitet und hoffentlich mit mehr Teilnehmern.

Jens Rennspieß

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Kommentare

Kommentar von Gerd Wolff |

Ich denke nicht,daß die geringe Teilnehmerzahl , mit dem Wetter zusammenhängt. Ich kenne dieses "Spiel" auch, aber das normale Schach geht dabei verloren. Deshalb sage ich ,Nein !

Kommentar von Roland Sternberg |

Tcg denke, dass "Tandem" mit normalem Schach nichts zu tun hat. Meiner meinung nach sollte man kien Tandem spielen. Das ist nicht gut für die Spirlstärke.

Kommentar von Frank Binding |

Die ganzen Schachvarianten haben nichts mit der Spielstärke (im normalen Schach) zu tun. Man kann sich dadurch nicht die Spielstärke "versauen". Ob man Schlagschach, Tandemschach, Crazyhouse, Atomschach, Horde, King of the hill, Racing Kings oder sonstiges Sachen spielt, so hat dies keine Einfluss auf die Spielstärke im normalen Schach. Mit den Schachvarianten kann man seine schachlichen Fertigkeiten mit anderen Mitteln weiter verfeinern.
Ich habe früher regelmäßig in der Schule Tandemschach gespielt. Und wir haben stundenlang, manchmal die Nacht durch, geblitzt. Auch Blitzschach wurde für schädlich von einigen Leuten gehalten. Aber ganz im Gegenteil hat Blitzschach meine Schachkenntnisse ausgebaut und ich habe meine Intuition verbessert. Dank meiner Intuition habe ich es bis über 2000 geschafft. Wenn ich auch noch vernünftig rechnen könnte, wären auch 2400 kein Problem gewesen.

Summasummarum: Hätte ich nie geblitzt und kein Tandemschach gespielt, wäre ich bei 1600-1700 hängengeblieben. Das Blitzspiel hat mein Auge geschult und meine Intuition für die richtigen Züge verbessert.

Kommentar von Gerd Wolff |

Deine Meinung , Frank ,ist sehr interressant.Nur mußt du dabei eines bedenken. Die Zeit ! Und die hast du beim Blitz bzw. beim Tandemschach ebend nicht, um gründlich nachzudenken. Dadurch entstehen die Fehler,die auch dir ebend passieren.Es ist reiner Spaß,Zeitvertreib,ohne jede Weiterentwicklung.Da ist eine gründliche Analyse der Partie effektiver. Im Übrigen bin ich gespannt,wie andere Leser und Vereinsmitglieder diesen Fakt sehen,warten wir also ab,und nehmen uns die Zeit...

Kommentar von Jens Rennspieß |

Wie schon gesagt: Jeder hat das Recht, bestimmte Schacharten wie Tandem, Schach960, Blitzschach, Schnellschach oder gar Fernschach skeptisch zu sehen oder abzulehnen. Ein Spielleiter kann sich diesen Luxus nicht leisten.

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