Bericht

Das System

Zum ersten Mal seit dem 14. Dezember 2001 fand die Vereinsmeisterschaft im Blitzschach wieder in einer Gruppe statt. Und mit 22 Teilnehmern wurde das erste Turnier der neuen Serie auch gleich sehr gut angenommen. Soviel Spieler gab es in den letzten zwei Jahren in A- und B-Gruppe nicht mal zusammen. Wie Peter Müller im Forum schrieb, verzichteten zwei B-Kategoriespieler sogar auf ihre Teilnahme.

Die große Zahl der Interessenten offenbarte aber auch ein anderes Problem: Nur die ersten Acht konnten in den Genuß von Grand-Prix-Punkten kommen. 12 Spieler - die beiden Gäste werden nicht mitgewertet - gingen leer aus. Darunter auch die fünf Spieler der B-Kategorie (DWZ unter 1700). Im ungünstigsten Fall wird in diesem Jahr keiner dieser Spieler Grand-Prix-Punkte bekommen. Wie dann überhaupt hier eine Rangliste erstellt werden soll, steht in den Sternen. Vielleicht sollten die 3 Geldpreise am Jahresende einfach verlost werden. Oder die Spieler mit den meisten Turnierteilnahmen werden honoriert.
Für die Grand-Prix-Wertung wäre eine teilnehmerabhängige Punktvergabe vielleicht am besten. Und jeder Teilnehmer bekommt Grand-Prix-Punkte: Bei 14 Teilnehmern z.B. erhält der Erste 14 und der Letzte 1 Punkt. Zusätzlich wäre noch ein Bonus für die ersten Drei denkbar: 3, 2 und 1 Punkt.
Aber nun gut. Das System ist festgelegt und sollte für 2013 auch nicht mehr groß verändert werden.

Turnierverlauf

In der Spitze war das Turnier mit je fünf Spielern der ersten und zweiten Mannschaft sehr gut vertreten. Einer von ihnen würde wohl gewinnen und am ehesten war dies Andreas Volkmer zuzutrauen. Der ehemalige Spieler von Rotation Pankow gewann am 21. September und 23. November 2012 die beiden einzigen Blitzturniere, bei denen er an den Start ging. Das er beim zweiten Turnier nach Wertung hinter dem Gast Philippe Vu lag, vernachlässige ich dabei mal. Wo war eigentlich Philippe diesmal?!

Die Pace machte in den ersten 10 Runden aber ein Anderer. Marco Miersch, der mit der höchsten DWZ ausgestattet ein Dauerabo auf Brett 1 hatte, durfte erst gegen die spielschwächeren Kombattanten antreten. Er verschonte dabei keinen und lag mit 10:0 Punkten eineinhalb Punkte vor den Verfolgern Yosip Shapiro und Frank Hoppe.\n
Daß der Wirt allzu oft seine Gläser nachfüllen mußte und ihm die Lebensgefährtin über die Schulter schaute, hatte allerdings keine guten Auswirkungen auf sein Spiel. In Runde 11 stoppte der spielstarke Gast Luis Perez seinen Siegeszug. Dem folgten aber wieder zwei Siege und Marco behielt einen halben Punkt Vorsprung.

Luis Perez besiegt Marco Miersch
Luis Perez besiegt Marco Miersch

Die Gegner wurden aber wie gesagt von Runde zu Runde stärker und als nächstes wartete das Trio Hoppe, Shapiro, Hölz auf Marco. Drei Fliegen mit einer Klappe könnte man die 14. Runde fast überschreiben. Marco stellte gegen mich mit Schwarz zwar schnell einen Bauern ein, konnte aber trotzdem den vollen Punkt einfahren. Auch die anderen Verfolger patzten: Yosip Shapiro unterlag Peter Müller und Stefan Hölz verlor gegen Michael Schilke. Marco lag mit 1½ Punkten wieder klar in Führung. Was sollte ihm jetzt noch passieren?
Das Verfolgerfeld - wenn man es so noch nennen will - vergrößerte sich etwas. Zu dem erwähnten Trio gesellten sich jetzt auch Andreas Volkmer und Thomas Hämmerlein.

Sieben Runden waren noch zu spielen. Bei Marco war jetzt die Luft raus. Nacheinander unterlag er Yosip Shapiro, Stefan Hölz und dem Gast Thomas Heerde (SC Weisse Dame). Bis auf Platz 6 ließ in das zurückfallen. Man fühlte sich irgendwie an ein Radrennen erinnert: 100 Kilometer mit teilweise klarem Vorsprung geführt und kurz vor dem Ziel wird der einsame Kämpfer an der Spitze vom Feld überrollt.

Den Sieg errang knapp aber verdient Andreas Volkmer mit 18:3 Punkten. Den hätte er sich eigentlich teilen müssen, aber der Berichterstatter stolperte in der 19. Runde fürchterlich (Dameneinsteller) über Lena Gebigke. Wenigstens sprang für mich Platz 3 heraus. Dazwischen drängelte sich noch Yosip Shapiro, dem man ein so gutes Ergebnis überhaupt nicht zugetraut hatte. Yosip schwimmt gerade auf einer Welle des Erfolges, wurde er doch sechs Tage zuvor Berliner Seniorenmeister!

Begegnungen der dritten Art

Interessant war das erstmalige Aufeinandertreffen seit mehr als 11 Jahren von Spielern aus allen Spielstärkeschichten des Vereins in einem Blitzturnier. Nicht nur ich klagte über das starke Spiel von Dirk Tausch, auch Thomas Hämmerlein war am Ende froh, gegen einen 800 DWZ-Punkte schwächeren Gegner den vollen Punkt eingefahren zu haben.
Ich stand mit Schwarz gegen Dirk unter permanenten Druck und hatte das Gefühl einen 2000er als Gegner zu haben. Meine Restbedenkzeit schrumpfte auf unter eine Minute zusammen, während Dirk noch eine komfortable Minute mehr hatte. Seltsamerweise begann er dann aufs Tempo zu drücken und machte dabei Fehler: Er vergaß bei einem Damentausch die Quadratregel und verlor. Dabei hatte ich im ersten Augenblick noch gedacht, ich hätte die Dame eingestellt, weil ich gar nicht gesehen hatte, das er meine Dame mit seiner angegriffen hatte. Der richtige Dameneinsteller kam ein paar Runden später gegen Lena...

Technik

Peter Müller hatte das Turnier gut im Griff. Er hatte sich ausgiebig vorbereitet und kam mit der von ihm präparierten Turniersoftware Sevilla bestens zurecht. Die zwei von ihm veranschlagten Pausen nach 7 und 14 Runden dienten den Nikotinsüchtigen für eine kleine Zigarettenpause. Die zweite Auszeit mußte dabei eine Runde vorgezogen werden. Nachdem ich Ergebnisse eingegeben hatte, verabschiedete sich Windows 7 mit einem sogenannten BlueScreen, einem Systemabsturz. Glücklicherweise hatte Peter nach jeder Runde die Turnierdatei gesichert.

Pl. Name DWZ Pkt. SoBe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 GP
1. Andreas Volkmer 2104 18,0 x 1 ½ 0 0 1 ½ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 10
2. Yosip Shapiro 1985 17,5 0 x ½ ½ 1 1 1 0 1 1 1 1 ½ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 8
3. Frank Hoppe 1936 17,0 ½ ½ x 1 1 ½ 0 1 1 1 1 1 1 ½ 1 1 0 1 1 1 1 1 6
4. Thomas Hämmerlein 2067 16,5 1 ½ 0 x 1 1 0 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 5
5. Stefan Hölz (M) 1992 16,0 1 0 0 0 x 1 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 4
6. Martin Gebigke 2096 15,0 0 0 ½ 0 0 x 1 1 1 1 1 0 1 1 1 ½ 1 1 1 1 1 1 3
7. Marco Miersch 2162 14,5 ½ 0 1 1 0 0 x 1 0 1 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 2
8. Peter Müller 1890 14,0 0 1 0 0 1 0 0 x 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
9. Thilo Keskowski 2083 12,5 0 0 0 0 0 0 1 0 x 0 1 1 1 1 ½ 1 1 1 1 1 1 1
10. Michael Schilke 1874 11,0 86,50 0 0 0 0 1 0 0 1 1 x 0 0 ½ 1 1 0 1 1 ½ 1 1 1
11. Jens Rennspieß 1734 11,0 74,50 0 0 0 1 0 0 0 0 0 1 x 0 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1
12. Luis Perez (G) - 10,5 84,00 0 0 0 0 0 1 1 1 0 1 1 x 0 0 0 0 ½ 1 1 1 1 1
13. Volker Schmidt 1796 10,5 67,75 0 ½ 0 0 0 0 0 0 0 ½ 1 1 x 0 ½ 1 1 1 1 1 1 1
14. Thomas Heerde (G) 2017 10,0 68,00 0 0 ½ 0 0 0 1 0 0 0 0 1 1 x 0 ½ 1 1 1 1 1 1
15. Martin Windmüller 1728 10,0 59,00 0 0 0 0 0 0 0 0 ½ 0 0 1 ½ 1 x 1 1 1 1 1 1 1
16. Julien von Pappritz 1527 6,0 0 0 0 0 0 ½ 0 0 0 1 0 1 0 ½ 0 x 1 0 0 1 0 1 B5
17. Lena Gebigke 1455 5,0 33,00 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 ½ 0 0 0 0 x 0 1 1 1 ½ B3
18. Frank Grey 1579 5,0 18,00 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 x 1 0 1 1 B2
19. Thomas Weigelt 1791 4,5 0 0 0 1 0 0 0 0 0 ½ 0 0 0 0 0 1 0 0 x 0 1 1
20. Karl-Heinz Grünberg 1738 4,0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 x 1 1
21. Dirk Tausch 1298 2,0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 x 1 B1
22. Kersten Schmidt 867 0,5 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 ½ 0 0 0 0 x
  • Kersten Schmidt ist nach etwa 14 Runden ausgestiegen.
  • Frank Grey hat die letzten 2 oder 3 Runden nicht mehr gespielt.

Frank Hoppe